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Kurzgeschichten

 

 

Die Jahrmarktorgel

 

29. Oktober 2006/14. Mai 2010

 

Sie stand schon sehr lange auf dem großen Platz, die einst so schöne große, alte Jahrmarktorgel. Ein Abstellplatz, der eher einer Schutthalde glich. Ein kühler, nebliger Herbsttag zog über diese Gegend wie schon viele, Jahre zu vor. Heerscharen von Krähen hausten tagsüber auf diesem Platz und suchten nach Futter. Immer wieder flogen sie in Scharen auf, um dann gleich wieder, ein Stück weiter vorn nieder zu gehen um den Boden aufs Neue nach Fressbarem zu durchsuchen.

 

- A. Ruth & Sohn Orgelbau zu Baden - stand in goldfarbenen, verwitterten Lettern auf der Seite dieses Gefährts, das sich einmal Wagen nannte. Dieser hölzerne braune Wagen war nicht mehr als solchen zu erkennen, die Farbe abgeblättert, das Holz faulig. Die Treppe am hinteren Ende des Wagens war abgesenkt, eine der Stufen fehlte, weggerissen, die zweiflüglige Türe halb offen, der zweite Flügel fehlte gänzlich. Und Innen sah es auch nicht besser aus. Die Stromversorgung, der Antrieb und die Blasbälge zerschlissen, voller Kot und anderem Dreck, eine Jammerorgel, nichts von dem Glanz vergangener Zeiten... 

 

...Verschlossen und eingepackt stand sie da, in einem hölzernen, langen braunen Wagen. Abgestellt an dem Ort, wo sie eigentlich seit eh und je hingestellt wurde, am Ende oder am Anfang der Budenstadt, gerade da, wo die Besucher ihren Jahrmarktrundgang begannen oder beendeten. Ihr Geheimnis behielt sie, verschlossen wie sie war, bis an dem Tag, an dem es punkt Zwölfuhr mittags  schlug vom nahen Kirchturm. Eine Viertelstunde vor diesem Stundenschlag wurden ihre Laden aufgeklappt, so dass ihre ganze Pracht aus dem Dunkel dieses Wagens freigegeben wurde. Ein alter Mann, ich glaubte immer, er sei genau so alt wie diese Orgel selbst, war Hüter dieses Geheimnisses. Mit einem einzigen Schalterhebel konnte alte Mann, einem Zauberer gleich, die große Orgel zum spielen bringen. Punkt Zwölfuhr mittags, auf den Schlag genau. Dieser Zauberer kam schon seit vielen, vielen Jahren mit seiner wunderbaren, großen Orgel in unser Dorf, um im Oktober den Jahrmarkt mit dieser besonderen Musik zu bereichern.

 

Und nun begann sie zu spielen und jubilieren. Die hübschen Damen mit ihrem verspielten Lächeln schlugen im Takte der Musik ihre Glocken, die sie in ihren zarten Händen hielten. Gleich vier dieser holden Wesen bevölkerten dieses Wunderwerk der Technik, auf Podesten stehend, links und rechts der Orgelpfeifen angeordnet. Zwei große Engel auf jeder Seite mit Trompeten bewachten blasend diese mächtige Orgel, als währe sie ein Heiligtum. Stolz standen sie da und setzten jeweils bei Beginn eines neuen Musikstückes ihr Instrument an den Mund, als wollten sie damit den richtigen Ton angeben. In der Mitte dieser Szenerie stand stramm und stolz ein Dirigent, der sich  nach links und rechts drehend, mit seinem Dirigentenstab den Takt angab und so der Musik ihren Schwung zu verleihen schien. Trommel, Pauke und Tschinelle gehörten ebenso zum Spiel, wie die vielen Orgelpfeifen, die ihre Melodien wie kleine, niedliche Vögel schweben ließen.

 

Den ganzen Tag schon erklangen nun diese herrlichen Melodien. Staunende, grosse Kinderaugen, aber auch glänzende Äuglein Erwachsener ergaben immer wieder ein bewegendes Bild ab. Vor den Zuhörern die große, alte Jahrmarktorgel, fein beleuchtet von unzähligen Glühbirnen. Sie liessen die musikalische Szenerie in herrlichen Farben glitzern und leuchten, genau so wie ihre kräftigen Akkorde und Klänge. Dahinter die alten Häuser und die Kirche vom Dorf, ein dunkelblauer Himmel, der sich ins Schwarze zu verlaufen schien. Es begann einzudunkeln. Zwischenzeitlich durften sich viele hundert Zuhörer satt hören an diesen zauberhaften Melodien. Die Lichter der Orgel, die im Takte sich wechselnd veränderten und zeitweilig leicht zu flackern anfingen, wurden nun, je dunkler es rundherum wurde, immer besser sichtbar. Der alte Mann stand immer noch bei seiner Orgel, ab und zu verschwand er im Inneren dieser geheimnisvollen Anlage, um der Maschine neue Aufgaben, in Form von gestanzten Kartonelementen, einzuhauchen. Kühl, fast kalt war es nun geworden und immer noch standen viele Menschen, Jung und Alt, vor diesem Instrumentarium aus alten Tagen um sich verzaubern zu lassen. In all den vielen Jahren, die ich immer wieder lange und immer wieder aufs Neue staunend vor dieser Jahrmarktorgel verbrachte, hatte ich das Gefühl, dass deren Besitzer, eben dieser alte Mann, nicht älter geworden war. Ein liebliches, aber steht’s glatt rasiertes Gesicht mit listig dreinschauenden Augen, einfach gekleidet, nicht größer als ein Junge von fünfzehn Jahren und eher Mager war er anzuschauen. In diesem Jahr fiel mir auf, dass er immer wieder von heftigen Hustenanfällen geschüttelt wurde.  

 

Der Jahrmarkt dauerte wie alle Jahre nur drei Tage, aber bereits am zweiten Tag blieb die Jahrmarktorgel stumm. Es hieß, dass ihr Besitzer, am späteren Abend zusammen gebrochen sei und nun im Spital liege. Die Orgel stand geschlossen an ihrem Platz, keine Musik, keine Lichter, keine sich bewegende Figuren. Ein trauriges und trostloses Bild. Beim vorbeigehen glaubte man jedoch, ihre Musik hören zu können, die wie kleine Vögel in den nachtblauen Himmel entschwebten, den vielen glitzernden Sternen entgegen.

 

Am dritten Tag dieses Jahrmarktes war an der Jahrmarktorgel ein mit großen schwarzen Buchstaben beschriebenes Blatt Papier angebracht: „Dieser Betrieb bleibt wegen Todesfall geschlossen„

 

© Hans-Peter Zürcher

 

Eisblumen

 

19. Januar 2005

 

Wir bewohnten damals, ich war sechs Jahre alt, eine grosse Vierzimmer- Wohnung im Dachgeschoss an der St. Gallerstrasse in Herisau. Es war einer dieser damals üblichen, noch strengen Winter, mit Temperaturen bis 15 °C unter Null Tags über, und bis 25 °C unter Null in der Nacht.

 

Geheizt werden konnte nur das Wohnzimmer mittels eines Kachelofens, und dieser wurde rund um die Uhr mit vollster Höchstleistung befeuert.  Alle anderen Räume waren im Winter sehr kalt. In der Küche wurde mit dem Gasherd nachgeholfen, damit wenigstens bei einigermaßen vernünftiger Temperatur gegessen werden konnte und schließlich war die Küche ja auch unser - Waschsalon - !

 

Und dieser Winter war wirklich außergewöhnlich kalt. Im WC, das sich außerhalb der Wohnung befand, fror die Spülwasserleitung ein, und dies, obwohl man versucht hatte, mittels einer großen Kerze die Temperatur im Raum einigermaßen über dem Gefrierpunkt zu halten.

 

Auch in unserem Kinderzimmer war es entsprechend frostig, und dies, ob wohl den ganzen Tag über die Türe zum großen Gang offen stand. Dementsprechend dick und wärmend waren denn auch unsere Nachtkleider, wie Bettsocken, Dreiviertelhosen, Nachthemd, Strickjacke, Schal und als krönender Abschluss eine Kappe. Außer dem Nachthemd waren alle Teile von unserer Mutter von Hand gestrickt worden. Selbstverständlich wurden die Betten mit einer heissen Bettflasche vorgeheizt. Ebenfalls war eine grosse Flaumdecke nebst einer dicken Wolldecke vorhanden. Klein - Sibirien lässt grüssen! und dies ist nicht übertrieben. In der Nacht fiel die Raumtemperatur jeweils einiges unter den Gefrierpunkt.

 

An den Wänden bildete sich über Nacht jeweils eine dünne Eisschicht und an den beiden Fenstern blühten die prächtigsten, wunderschönsten Eisblumen. Wir Kinder bestaunten ganz verzückt diese schönen Kreationen der Natur. Bis zum Abend  sind diese frostigen Gebilde teilweise aufgetaut und haben sich bis fast an den Rand der Fensterscheibe zurückgezogen, um dann über Nacht aufs Neue und in schönster Pracht wieder zu erblühen.

 

© 2008 bei Hans-Peter Zürcher

 

Der Fährmann und die Liebe

 

27. Mai 2007                          

 

In Basel gibt es vier Fähren, die den Rhein queren. Diese queren den Rhein ohne Motor, ohne dass der Fährmann seine Muskelkraft dafür einsetzen müsste. Letzteres braucht er vielleicht ab und zu, um einer netten Dame beim ein – und aussteigen behilflich zu sein. Die kurze, aber sehr erholsame Fahrt über den Rhein wird nur durch die Wasserströmung angetrieben. Würde das Schiffchen nicht an einem hoch liegenden Seil geführt, ginge  die Fahrt nicht über den Rhein, sondern den Rhein hinunter.

 

Nun möchte ich aber nur über eine Fähre oder Fähri wie die Basler zu sagen pflegen, berichten, nämlich die Fähre mit dem Namen „ Leu “. Diese Fähre pendelt zwischen dem Münster und dem gegenüberliegenden Kleinbasler Ufer hin und her. Obwohl die Fähren zu Basel eine sehr alte Tradition darstellen und seit vielen Jahrzehnten Menschen vom einen zum anderen Ufer bringen, wäre ihre Geschichte schnell erzählt, wenn da nicht jemand wäre, der die Fähri bedient und das ist der Fährmann, den man hier liebevoll Fährimaa nennt. Und der erlebt und hört so allerlei, was Jahr ein und Jahr aus so alles geschieht, erheiterndes und trauriges, schönes und leidvolles, eben so allerlei. Und wenn jemand eine etwas unglaubwürdige Geschichte erzählt, bekommt er schnell zur Antwort: „verzell das em Fährimaa“.

 

An einem schönen milden Frühlingstag gelüstete es mich, vom Münsterplatz über die Pfalz, einer wunderschön gelegene Aussichtsterrasse hinter dem Münster und hoch über dem Rhein, die lange Treppe hinunter zum Rhein zur Anlegestelle der Fähre Leu zu gelangen. Träge floss der Rhein in seinem Wasserbett, sein Pegel war um einiges tiefer als um diese Jahreszeit üblich, hatte es doch seit langem nicht mehr geregnet. Die Altstadthäuser gegenüber am Kleinbasler Ufer zeigten sich in der Morgensonne von ihrer schönen, malerischen Seite. Das Blattgrün der Bäume am Rheinweg war kräftig, versehen mit einem bläulichen, grünen Farbton. Im Rhein spiegelte sich der blaue Himmel und verlieh ihm so eine unendliche Tiefe. An einigen Stellen der gegenüber liegenden Uferzone zeigte sich das Kiesbett, das sonst mindestens einen halben Meter unter Wasser liegen würde. Dank dem tiefen Wasserstand und dem träg dahin fließen des Flusses dauert die Fährifahrt sicher ein wenig länger und darauf freute ich mich ganz besonders. Es schien, dass ich der einzige Fahrgast an diesem schönen Morgen sein würde, denn die Fähre stand schon seit langem an ihrem Landesteg auf der Kleinbasler Seite, also zog ich kurzerhand an der Schiffsglocke, die unten am Steg aufgehängt ist, um so dem Fährimaa ein Zeichen zu geben, dass hier jemand steht, der gerne übergesetzt würde. Gemächlich wie der Fluss gegen das Meer strömte, so zog die Strömung das Schiffchen über den Rhein dem Steg entgegen, auf dem ich eben wartete. – Ja, hier in dieser Stille ist es schon sehr schön, da kann ich mich dem Gesang der Vögel und dem leisen Gurgeln unter dem Fähristeg völlig hingeben.....

.....an der Fasnacht, wenn die ganze Innenstadt ein Musikinferno der besonderen Art zelebriert, da stand ich mit meiner Pfeiffergruppe schon des öffteren an diesem stillen Ort, von ferne die Trommel– und Piccoloklänge, die vom zarten Gurgeln des Rheins begleitet wurden. Die Larve hatten wir in der einen Hand, das Piccolo in der anderen und so freuten wir uns jeweils auf die Überfahrt. Kaum dass wir eingestiegen waren und der Fährimaa das Seil umgelegt hatte, fuhr die Fähri mit einem leichten Ruck an, um uns dann sachte und zart an das andere Ufer zu bringen. An solchen Tagen war die Fähri jeweils gut besetzt, so auch an diesem milden Fasnachtsdienstag. So beschlossen wir, unserer Freude freien Lauf zu gewähren, setzten die Larve auf „z’Baasel .... vorwärts .... marsch“ und brachten dem Rhein und dem Fährimaa zu Ehren ein Ständchen, ein Märschlein, zelebrierten mit einem leichtem vibrato. Ein Märschlein, des nach einem bekannten Lied, einer Hymne auf Basel und seinen Rhein, umgeschrieben und komponiert wurde. Dieser Augenblick war schon sehr einmalig. Als wir mit diesem Märschlein fertig waren, war es still, nur das glucksende Geräusch des Wassers unter der Fähre, keiner der Fahrgäste sagte ein Wort, alle, selbst wir waren völlig beeindruckt von dieser Stimmung und es war als stände die Fähri mitten im Rhein still. Es mochten eine, oder zwei Minuten verstrichen sein, da setzte ein Applaus ein, der ebenso zart und sachte war, wie der Rhein dahin floss. Tatsächlich hatte der Fährimaa sein Schiffchen mitten im Fluss angehalten, sichtlich bewegt wischte er sich eine Träne weg, ging nach hinten ins Boot und legte das Heckruder in den Fluss, so dass die Fähri mit einem leichten Ruck ihre Fahrt ans andere Ufer fortsetzen konnte.....

 

.....“He, junger Mann, wollen sie mit Fahren oder hier weiter Träumen“, natürlich wollte ich mit, denn deswegen stand ich ja hier. Ich stieg rasch ein und setzte mich auf das schmale Seitenbänklein. Und da kam er wieder, dieser leichte Ruck, das Geräusch des Wassers unter dem Schiffchen. Ohne dass ich es bemerkt hatte, muss auch dieses Paar hier eingestiegen sein, denn der Fährimaa begrüßte uns sehr herzlich mit einem „guete Daag mitenander“, während er das bescheidene Fahrgeld einkassierte. Die beiden mussten mächtig in einander verliebt sein, eng umschlungen saßen sie mir gegenüber und bestaunten die Aussicht zur Münsterseite und küssten sich ab und zu zärtlich. Dies muss auch der Fährimaa beobachtet haben, denn er zwinkerte mir mit seinem linken Auge lächelnd und leicht nickend zu. Der Mann löste sich kurz aus der Umarmung und hielt seine rechte Hand über die tief liegende Reling ins Wasser und strich dann mit seiner nassen Hand zärtlich über die Stirn seiner Begleitung, als wollte er sie segnen, küsste sie ebenso zärtlich auf die Stirn und ihren Mund und nahm dann ihre Hand fest und sicher in die Seine. Nur allzu kurz war die Überfahrt, das Liebespaar stieg aus, schlenderte die Treppe hoch zum Rheinweg, blickte kurz zurück und winkte dem Fährimaa, der freundlich zurück winkte.

 

Ich beschloss, noch eine Runde mitzufahren, weitere Fahrgäste waren nicht vorhanden und so erfreuten sich der Fährimaa meiner Gesellschaft und ich seiner. Nachdem er das Seil umgelegt hatte und die Fähri sich mit einem kleinen Ruck vom Steg zu entfernen begann, setzte sich der Fährimaa zu mir. „Ja die Liebe“ begann er „da habe ich schon vieles erlebt. Einmal kam eine junge, sehr hübsche Frau auf die Fähri. Tiefe Trauer lag in ihren schönen Augen und eine fieberige Röte in ihrem Gesicht, als ob Weinen ihr Dauerzustand wäre. Sie blieb mache Überfahrt sitzen und als dann einmal keine weiteren Fahrgäste auf der Fähri waren, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurück halten, sie weinte jämmerlich drauf los. Ich versuchte sie zu trösten. Sie beruhigte sich zusehends. Ich hielt die Fähri mitten im Rhein an: - So, Mädchen, erzähl mal -. Wie zuvor ihre Tränen liefen, so sprudelte nun ihr ganzer Liebesschmerz aus ihr heraus. Ihr Geliebter weile weit entfernt von ihr, sehen können sie sich nur selten, nur ein Bild von ihm und ab und zu ein Brieflein, das war alles, das sie von ihm besitze und die Gewissheit einer tiefen großen Liebe zueinander“. Er stand auf, um nach hinten zu gehen und sein Schiffchen anzuhalten, denn ein großes Lastschiff, voll beladen, kämpfte sich langsam den Rhein hinauf und die hatte Vortritt. Mit großer, sich überschlagender Bugwelle, tief im Wasser liegend, kam es uns langsam entgegen. „Ich hatte ihr gut zugeredet, ihr erklärt, dass das Wertvollste der Beweis dieser großen Liebe sei und dass das etwas sei, das ihnen niemand nehmen könne, dass sich die Treue und Liebe mit einer Priese Geduld eines Tages bezahlt machen würde, nein, nicht mit Geld und Gold, sonder mit etwas, das tief aus dem Herzen und der Seele kommt und ewig erhalten bleiben wird, eine unendliche währende Liebe zueinander. Ein wenig beschämt aber erleichtert, mit leuchtenden Augen, verließ sie meine Fähre“. Die Fähri begann in den großen Wellen, die das Lastschiff aufwarf, bedrohlich zu schwanken, der Fährimaa, legte sein Heckruder in die Strömung und das Schiffchen bewegte sich langsam dem Landesteg beim Münster entgegen. „Nach Jahren kehrt diese Frau mit ihrem Geliebten zu mir auf die Fähre zurück. Ein liebreizendes Paar, das nun fern von hier zusammen lebte und auf einer Reise durch Basel war, eine Kreuzfahrt auf dem Rhein genießend, die ich den beiden gerne schenkte. Die beiden vorhin erinnerten mich dieser Geschichte“.

 

Ja, der Fährimaa, der erlebt so manch erheiterndes und trauriges, schönes und leidvolles, eben so allerlei. Und wieder legte er das Seil um, wieder zog es die Fähri mit einem kleinen Ruck der Mitte des Rheins zu, damit sein Schiffchen dem Kleinbasler Ufer entgegen fahren konnte, wie seit Jahrzehnten, neuen Menschen mit neuen Geschichten entgegen, von Liebe, Leid, Trauer und Freud. Auf der anderen Seite angekommen, verabschiedete ich mich vom Fährimaa, bedankte mich für die Überfahrt und wartete auf dem Steg, bis er abgelegt hatte, winkte ihm nach, und schlenderte dann gemächlich hinauf zum Rheinweg, wo ich es mir nicht nehmen ließ, in einer Gartenwirtschaft ein Gläschen Wein zu bestellen und mich an diesem schönen Frühlingstag zu erfreuen. 

 

 © 2007  Hans-Peter  Zürcher              

  

 

Der verpasste Zug

 

12. August 2007

 

Wie oft schon in meinem Leben stand is da, ratlos, verloren. Ich renne mit all meiner Kraft, völlig ausser Atem komme ich auf den Bahnsteig, sehe nur noch das schlusslicht des abfahrenden Zuges, weit vorne. Er verliert sich im immer enger werdenden Schienenstrang. Wie komm ich jetzt weiter.

 

 Genau so der Eilzug, der vorüber fährt und nicht hält. Mit hoher Geschwindigkeit. Mit pfeifendem Warnsignal braust er m Bahnsteig entlang, einen Sturmwind nach sich ziehend rast er an mir vorbei. Wie komm ich jetzt weiter.

 

Oder ich warte auf den Zug, aber er kommt nicht. Ich schau auf die Uhr, er müsste längst da sein. Auf diesem falschen Bahnsteig könnte ich aber noch lange warten, hier kommt er nicht, mein Zug. Wie komm ich jetzt weiter.

 

All das kann im Leben doch mal vorkommen, einmal, mehrmals oder aber auch des Öfteren. Wie komm ich jetzt weiter. Es ist doch schon so spät, ich muss doch noch, ich möchte doch gern... na ja, besser als an einem Stumpengeleise warten, denn da werden höchsten nicht benötigte Züge abgestellt, die bleiben stehen und fahren nicht weiter. Alles also nicht so schlimm, denn ich stehe ja am Bahnhof, da kommen Züge an, fahren Züge weg. Da kann ich mich nun im Wartsaal oder auf eine Bank ausruhen und mir ein wenig Erholung gönnen. Den Betrieb beobachte und all den vielen Menschen zu schauen, die da herumrennen, ihren Zug verpassen, weil sie zu spät ankommen oder auf dem falschen Bahnsteig gewartet haben. Alles Leidesgenossen, denen es nicht besser ergangen ist als mir.

 

Doch der nächste Zug kommt bestimmt und dann wird auf dem richtigen Bahnsteig gewartet, wird rechtzeitig bereitgestanden um in den richtigen Zug einzusteigen. Dieser Zug fährt dann auch bestimmt in die richtige Richtung, ja, er hält auch an den Stationen der Hoffnung, der Zuversicht und der Liebe. Fährt im Eiltempo vorbei am See der Tränen, durch den düsteren Wald der Hoffnungslosigkeit, durch den dunklen Tunnel des Hasses und verliert sich in sanftem, goldenem Licht der Zukunft.

 

© 2008 bei Hans-Peter Zürcher

 

 

Spätsommertag

 

6. September 2007

 

Der Herbstenzian reckt seine tiefblauen Köpfchen der wärmenden Sonne entgegen. Ja sie träumen von der wärmenden Sonne, denn der frühe Morgen ist nach den letzten warmen Wochen erheblich kälter und herbstlicher. Die Blüten noch verschlossen, dösen sie zwischen den Steinen in den beginnenden Tag. Der Himmel zeigt sich milchig, mit lichtem Hochnebel überzogen, einzelne Sterne vermögen durch diesen seidigen Schleier hindurch zu scheinen.  Ein Morgen beginnt, der viel Sonne verspricht. Möge der Traum der Enziane wahr werden und die wärmende Sonne auch mich mit einem oder zwei Strahlen erwärmen.

 

Die Wiesen glitzern wie ein Tröpfchenmeer im tiefen, seitlichen Streiflicht der ersten Sonnenstrahlen. Die Schatten der Sträucher und Bäume zaubern längliche, gespenstisch aussehende Gebilde über den Boden. Die kühle Morgenluft ist frisch, nach feuchte duftend und rein. Stumm die Vögel, meist Amseln, die im kurz geschnittenen Gras den Boden nach Essbarem durchforsten, Meisen und Rotschwänzchen, die munter in den Sträuchern herumziehend oder auf den Steinbrocken umherhüpfend nach Insekten Ausschau haltend und oben am Himmel ziehen Horden von Saatkrähen von ihren Schlafplätzen kommend den umliegenden Feldern zu. Diese Stimmung dauerte jedoch  nicht all zu lange, der dünne Nebelschleier verdichtet sich wieder, als wollte die Sonne noch ein kleines Nickerchen machen, bereits Müde von ihrer frühmorgendlichen Kraftanstrengung. Die Amseln, die Meisen und das Rotschwänzchen ziehen sich auch zurück, besiedeln die Äste der umliegenden Bäume und beginnen ihr Federkleid zu putzen und in Ordnung zu bringen. Da und dort zeigen sich im grün der Bäume erste goldgelbe Farbtupfer von verfärbten Blättern, die Sträucher aber zeigen stolz ihre Roten kleinen Beerenfrüchte, die sie nun in diese graue Landschaft leuchten lassen.  

 

Der Brunnen plaudert plätschernd leise vor sich hin und begleitet das Geläut der Dorfkirche, das aus dem Tal herauf klingt und zur Morgenandacht einlädt. Die Hortensia trägt immer noch ihre großen Blütendolden, eine sogar noch in ihrem tiefen, satten Rosa, alle anderen verblasst, bereits ein wenig in ein Beige/Grau verwandelt. Die Blätter zeigen sich immer noch in sattem Grün. An diesem Hortensiastrauch lässt sich der langsam sich verabschiedende Sommer am eindrücklichsten mitverfolgen. Werden, Sein und Vergehen in einem, ein schöner Spätsommertag ist am Werden, die Hortensia verbindet sich mit dem Sein und die Nacht ist vergangen.

 

Zwischenzeitlich konnte sich die Sonne wieder durchsetzen und beginnt nun ihr noch zartes Licht über die Landschaft zu verteilen. Weißlich, aber von angenehmer, wohliger Wärme. Zaghaft noch, aber bestimmt lichtet sich der Nebelschleier und lässt das Blau des Himmels durch scheinen. Langsam erheben sich feine Morgennebelchen aus der Wiese, hervorgerufen durch die Bodenfeuchte und die wärmenden Sonnenstrahlen. Tautropfen glitzern auf den Grashalmen wie tausend Sterne, eine erste Libelle lässt es sich nicht nehmen, von dieser edlen Nässe zu kosten. Auch ein weißer Schmetterling, rein und schön wie die Keuschheit breitet seine Flügel auf einem Stein sitzend aus, um diese morgendliche Wärme in sich aufzunehmen. Leise zuckend nimmt er diese in sich auf. Selbst eine Ringelnatter, die sich hier im Garten heimisch zu fühlen scheint und seit einiger Zeit beobachtet werden kann, schlängelt sich züngelnd durch das kurze Gras auf der Suche nach einem warmen, geschützten Plätzchen.

 

In den Bäumen beginnt ein geschäftiges Treiben, genau so auch am Himmel, der nun vom lichten Hochnebel befreit seinem tiefen Blau und der Wärme der Sonne freien Lauf gewähren kann. Ein hin und her der Vögel, das von freudigem Gezwitscher begleitet ist, der Schrei zweier Rotmilane, die sich hoch oben vom Winde treiben lassen und miteinander spielen. Ein sich ergänzender Wechsel von Tönen, Rauschen und Plätschern, die sich zu einem Ganzen verweben. Hohe Wolkenfelder treiben im dem aufkommenden Nordwestwind dahin, immer wieder zu neuen Bildern sich formierend. Der Wind treibt nun auch sein Spiel mit den Ästen und Blättern in den Sträuchern und Bäumen. Licht- und Schatten beginnen sich in rascher Abfolge zu überschlagen. Einzelne Blätter wirbeln langsam zu Boden und erinnern daran, dass der Herbst nicht mehr weit ist. Am Schatten kühl, an der Sonne heiß und trotz der klaren Luft ein Hauch von Vergänglichkeit. Bilder von Giovanni Segantini tauchen in mir auf, Werden, Sein und Vergehen, einer Triptichon von großartiger Schönheit und Tiefe.

 

Werden, eine Berglandschaft im Frühling. Die Sonne bescheint die noch schneebedeckten Bergspitzen. Die Alp zeigt sich in frischen Grün, einem kleinen Tümpel widerspiegelt sich der volle Mond am leicht dunstigen Himmel, der nun den Nacht vom Tag ablösen lässt und der Sonne freien Lauf gewährt. Eine Mutter, schützend ihr Kind auf dem Schoss sitzt unter einem Baum, der wiederum ihr Schutz bietet.  Kühe beleben die Alp, die einen grasend, eine jedoch brüllend. Zwei Frauen tragen ihre Habe auf die Alp und der Bauer treibt ein Kalb vor sich hin zur Hütte. Ob der Tag nun aus der Stille, erwacht oder der Abend sich in die Stille senkt, das Bild strahlt Ruhe und Geborgenheit aus. Nur das brüllen der Kuh unterbricht für einen kurzen Moment diese Stille. Ein Geheimnis, dessen Aura die Stille ist, dessen Werden ein Geheimnis, das sich langsam mit dem Tagwerden offenbart.

 

Sein, eine Berglandschaft im Sommer, eine Hochebene, die im Licht der untergehenden Sonne dem Himmel in ein Strahlenmeer verleiht. Die hohen Gipfel der Schneeberge im letzten Sonnenglanz, das Tal bereits dunkel, nur die Bergseen leuchten in den Abend. Mensch und Vieh ziehen Heim, der Mann zieht mit der kleinen Herde voraus, die Frau, ein kalb an der Leine hinter her, genau so wie das Muttertier dem Kalb. Schattenloses Licht liegt auf dem Weg, dessen Ruhe sich auf Mensch und Tier überträgt und auf die ganze Natur. Sein, das Gewordene verbindet sich ebenso wie das Abend werden mit dem Vergänglichen.

 

Vergehen, eine Berglandschaft im Winter. Eine Häusergruppe, davor trauernde Menschen, ein Pferdeschlitten, noch unbeladen. Man erahnt den Abschied eines geliebten Menschen, der noch im Hause aufgebart ist. Das helle, klare Licht mit der dunklen Wolke, saugt all diese Traurigkeit in sich auf. Mittendrin eine weiße Wolke, hell, voller Zuversicht, die das Vergehen aufnimmt mit ihrem Licht. Der tiefblaue Himmel, die Ewigkeit der Berge, all dies trägt das Geheimnis des unvergänglichen. Ein Geheimnis von Werden, Sein und Vergehen.

 

Der Sonnestand hat längst seinen Höchststand überschritten, die Schatten werden länger, der Wind flaut ab und das Blau des Himmels wird intensiver. Die Wolken sind längst weggezogen. Auf dem Brunnenrand hüpfen Meisen von einem Ende zum anderen, und versuchen vom Nass des Wasserstrahls einige Schlückchen zu erhaschen. Ein einzelnes güldenes Blatt taumelt wie berauscht vom nahe gelegenen Ahorn und landet weich im Gras neben dem Brunnen. Es wollte wohl das Erste sein, aber einige Buchenblätter waren schneller und haben sich vor ihm auf der Wiese niedergelassen.  Hoch oben und mit lautem Gekreische ziehen die Saatkrähen, nun in umgekehrter Richtung, ihren Schlafplätzen zu. Die Sonne verfärbt den Himmel in all den Rottönen, die vom Orange bis hin zu Violett reichen und so am fernen Horizont aufkommenden Hochnebel von Hellgrau zu Schwarz verfärben lässt. Die Bäume und Tannen heben sich im Gegenlicht als schwarze Muster, einem Scherenschnitt gleich, ab und der sich dunkelblau verfärbende Himmel, lässt langsam ein Stern nach dem anderen Funkeln. Das Sein dieses schönen Spätsommertags neigt sich dem Abend zu, dem Vergehen, einem Aufbruch zu neuem.

 

© bei Hans-Peter Zürcher

 

Aufbruch

 

14. Oktober 2007

 

Ein wärmender Tee im nahen Café tut mir nun gut. Ein längerer Morgenspaziergang dem Rhein entlang hat meinen Knochen ein klein wenig zugesetzt. Die feuchte, kühle Morgenluft hatte sich langsam und stetig durch meine Kleider gefressen. Die Bäume dem Rheinweg entlang erfreuen mich in all den herbstlichen Farben, die die Natur nun hervorzaubert. Ein Fensterplatz ist mir gewiss, sind doch nur wenige Gäste in diesem gemütlich warmen Raum. Ich lasse meine Gedanken in die Weite schweifen, die sich, gleich den frühen Morgennebelchen, schwebend in der Unendlichkeit verlieren.

 

..... Leise und sanft plätschern kleinste Wellen ans seichte Ufer der Seepromenade. Die großen und kleinen Kieselsteine am Strand werden leise überspült. Ebenso sanft schleichen dünne Morgennebelchen über die spiegelglatte Oberfläche des Sees. Stille, die sich selbst übertönt, liegt über dieser Szenerie, kein Lüftchen, nicht einmal ein sanfter Hauch stört diese Idylle. Über dem tanzenden Nebelschleier breitet sich ein dunkelblaues Himmelszelt aus, aus dessen Unendlichkeit die letzten Sterne glitzernd und funkelnd zu mir herab leuchten. Das gegenüberliegende Seeufer ist nur schemenhaft erkennbar, die Spitzen der dahinter sich dem Firmament entgegen reckenden Berggipfel mit ihren weißen Kronen heben sich aber vom Himmel ab. Es ist schon recht kalt, an diesem frühen, schönen Herbstmorgen. Vorbei die milden Spätsommermorgen, vorbei die Lieblichkeit der trocken warmen Sommerluft. Es duftet nach Seewasser, nach Nebelfeuchte und Herbstlaub, das ab und zu von den Ästen der Bäume, die entlang der weiten Seepromenade an schönster Lage verwurzelt sind, zu Boden gleitet und diesen in allen möglichen Farben des Herbst zieren. Auch von Holzfeuerduft geschwängerte Duftschwaden verirren sich zeitweilig an dieses stille Seeufer.

 

Im weitergehen raschelt das Kies unter meinen Schuhen, das sich zum sanft glucksenden Geräusch der leisen Wellen gesellen. Das Morgenlicht breitet sich sehr schnell aus und lässt aus der anfänglichen Düsterheit der abziehenden Nacht den Himmel nun freundlich im ersten Sonnenlicht erstrahlen. Dieses streift die weißen Bergspitzen und bringt sie zum Leuchten. Im nahen Hafen, der mittels großen Steinquadern zum See hin als Wellenschutz abgegrenzt ist, sind nur wenig Boote vertaut. Still liegen sie da. Ihre Segelmasten ragen in das Blau des Himmels. Nur auf einem Boot sind zwei Männer beschäftigt, es startklar zu machen. Da noch kein Lüftchen weht, setzen sie statt der Segel, einen kleinen Hilfsmotor ans Heck ihres Bootes. Sie sprechen nicht miteinander, jeder scheint zu wissen, welche Handriffe notwendig sind, damit ihr Schiffchen hinaus auf den See fahren kann. Es scheinen Fischer zu sein, denn sonnst fährt zu dieser Morgenstunde niemand hinaus auf den See. Dieser liegt ruhig in einem dunklen Schwarzgrün da, nur die Nebelchen verändern stetig ihr Angesicht. Ich schaue den beiden zu und erfreu mich dieser Stimmung. Während der eine den Motor befestigt, hantiert der andere mit Netzen. Je mehr nun die Sonnenstrahlen die Landschaft ausleuchten, umso mehr verdichten sich die Nebelchen über der Wasserfläche und verstricken sich zu einer zäher Nebelschicht, die sich schnell nach oben verlagert und so die Sicht auf die Berge gänzlich zum erliegen bringen. Die beiden Fischer lösen ihr Boot, das nun fast geräuschlos aus dem Hafen gleitet und sich in den Nebel über dem See verliert. Ein kleines Licht am Mast schimmert noch ein Weilchen aus dem grauen Geflecht aus Wasserdampf. Ein Schwarm kreischender Möwen begleitet das Schiffchen auf seiner Fahrt, einem Aufbruch in eine unendliche Weite von Wasser und Nebel.

 

So rasch sich der Nebel verdichtet hat, so rasch löst er sich wieder auf, nur noch ein zarter Hauch liegt über dem Wasser und den Bergen auf der anderen Seite des Sees und lassen nun so die herbstlich gefärbten Bäume und Wälder im Morgenlicht aufleuchten. Die Farbe des Wassers hat sich nun in ein Blaugrün verwandelt, auf dessen Oberfläche sich das gegenüberliegende Ufer und die Berge samt dem blauen Himmel abzeichnen. Weit draußen dass Fischerboot, das sich langsam über den See bewegt.

 

Inzwischen ist es Mittag geworden, die Sonne verbreitet eine Milde, in der man sich gerne ein wenig erwärmen lassen möchte. Ein leichter Wind lässt nun kleine Wellen, auf der inzwischen sich zu tiefen Blauen gewandelten Seeoberfläche, ans Ufer schlagen. Rein und sauber ist das Wasser, ab und zu getraut sich sogar ein Fischlein in die seichte Uferzone. Ich setzte mich auf die niedrige Hafenmauer, atme die milde, nach See duftende Luft tief in mich ein. Das Fischerboot, das heute Früh in den Nebel aufgebrochen war, kreuzt gemächlich dem Ufer entlang, den Motor immer noch gewassert, aber die Segel nun gesetzt. Diese blähen sich im leichten Wind auf und treiben so das Schiffchen langsam dem Hafen zu. Den tief blauen Himmel zieren zarteste Dunstschleier, die auch die Berge sanft einhüllen.....

 

Ich sitze immer noch im Café am Rhein, lasse mich von den Strahlen der wärmenden Herbstsonne, die nun zum Fenster herein scheint verwöhnen, meine Gedanken sind jedoch an den Ort zurückgekehrt, von wo sie vor einer guten Stunde aufgebrochen waren, aufgebrochen zu einem schönen Ausflug an den Vierwaldstättersee, den ich vor noch nicht allzu langer Zeit erleben dufte und dessen Bilder ich nochmals durchleben wollte.

 

© bei Hans-Peter Zürcher

 

Das Kirchlein zu Grindelwald

 

25. April 2005

 

Zum Ausklang eines schönen Tages mit einer wunderbaren Wanderung zur Schreckhornhütte gelüstete es mich, nach dem Abendessen das Kirchlein und den Friedhof zu besuchen. Der Standort dieser Anlage könnte nicht schöner gewählt worden sein. Die Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist nebst einer kleinen Orgel und der bemalten Flachdeck über dem Schiff einfach und schmucklos gehalten, hat aber sehr schöne Fenster mit Glasmalereien. Ich verweilte mich eine kurze Zeit in dieser Stille, um danach noch einen Rundgang durch den Friedhof zu machen. Die, die hier liegen, haben eine wirklich schöne, letzte Heimat und Ruhestätte gefunden. All die Grabsteine und Kreuze auf den mit Blumen geschmückten Grabfeldern, waren mit typischen Grindelwaldner Namen und dann zwischen drin wieder solche mit Fremdländischen Namen beschriftet. Sie alle erzählen Geschichten vom Leben, Abenteuern, Schicksalen, aber auch von Liebe und Entbehrungen. Fast andächtig durchschritt ich die Grabreihen. Einige Sperlinge zwitscherten munter mit einander und flogen zwischen Bäumen und Sträuchern hin und her. Außer meinen Schritten im Kiesbelag des Weges und dem Rauschen der Lütschine aus dem Talgrund war es sehr ruhig, ja fast feierlich in diesem eher traurigen Hof. Und doch fühlte ich in dieser Umgebung innere Ruhe wie auch eine Zufriedenheit in mir. Wie glücklich sind die, die hier an diesem Plätzchen ihre letzte Ruhe gefunden haben.

  

Gedanken

Wie glücklich sind die, die hier an diesem Plätzchen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Diese Gedanken hatten nicht das Geringste mit Lebensmüdigkeit oder dergleichen zu tun, sondern ich dachte an all jene, die diese schöne Ruhestätte verdient hatten. Die vielen Einheimischen, Zugezogenen und Berggänger. Viele Namen wie Grosse Namen kann man auf den Grabsteinen und Grabkreuzen finden. Namen von Politikern, Künstlern, Arbeitern und Bauern, grossen und kleinen Leuten, arme und reiche, gläubige und nicht gläubige. Und alle die hier ruhen haben eines gemeinsam, sie ruhen hier gemeinsam in dieser Erde, einer neben dem andern, gerade so, wie sie abberufen wurden und alle sind letztendlich gleich. Die Politiker, Künstler, Arbeiter und Bauern, große und kleine Leuten, arme und reiche, gläubige und nicht gläubige. Hier unterscheidet sich keiner mehr nach Stand und Herkunft. Wichtig ist nur, dass all die, die hier ihre Ruhe gefunden haben, ihr Leben gelebt  und gutes getan haben.

 

© bei Hans-Peter Zürcher

 

Wintermond

 

25. Dezember 2007

 

Eistage wie schon lange nicht mehr beherrschen Tage und Nächte. Trotz Sonnenschein vermögen die Eiskristalle auf den Pflanzen nicht zu schmelzen. Die längste Nacht gehört für diesen Winter bereits der Vergangenheit an. Die Morgen - wie auch die Abenddämmerungen mit ihrem kalten, rot verfärbten Horizont, der sich hinter den kahlen Ästen der Bäume jeweils abzeichnet, ergänzen das Winterbild. Der kalte Biswind lässt die weißen Räuchlein, die aus den Kaminen entweichen, wagrecht davon ziehen wie im Wind flatternde Fähnlein, die sich alsbald auflösen. Die wenigen Menschen, die sich aus den warmen Stuben hinaus in den Wintertag wagen, sind warm angezogen, Kappe oder Hut, ein dicker Schal und warme Kleider schützen sie vor der eisigen Kälte. Nur den Vögeln scheint diese Kälte nichts anhaben zu können. Ein ganzes Volk von Saatkrähen spielen in den Böen des Biswind, ein fröhliches auf und ab, ein Schaukeln und wanken, indem sie sich in die Höhe tragen lassen und sich im Sturzflug in die Tiefe stürzen um sich dann gleich wieder aufzufangen. Eichelhäher und Elstern fliegen geschäftig hin und her und die Meisen versuchen etwas Fressbares in den Futterhäuschen und Fettkugeln zu erhaschen. Ein Duft von verbranntem Holz und gleichzeitig einen kalter Hauch von Frische liegt in der Luft. Der volle, hell leuchtende Mond verabschiedet sich im Nordwesten, begleitet vom hellen Morgenstern und übergibt sein Licht der aufgehenden Sonne  im Südosten. Das weiße Licht, das die Sonne aus dem leicht dunstverklärten blauen Himmel nun auf die Erde hinab schickt, lässt die aber tausend Eiskristalle glitzern.

 

Glitzern wie die Sterne am blauschwarzen Firmament, das sich auch letzte Nacht so zeigte. Ein fahlblaues, fast weißes Licht beleuchtete die Landschaft. Nach dem Eindunkeln zogen feinste Schleier von hauchdünnen Nebelchen über Pflanzen, Sträucher und zwischen die kahlen Äste der Bäume und überzogen diese mit einer weiteren dünnen Schicht weißer, glitzernder Eiskristalle. Ein letztes Abendrot erhellte den Horizont, eine brodelnde Schicht von Glut, während dessen der Himmel in allen Schattierungen von Blau bis hin zu Schwarz die Nacht übers Land zauberte. Groß und stolz wanderte der volle Mond zwischen all den vielen Sternen vorbei durch die Dunkelheit des Universums. Ein hell wanderndes Licht über das weite Firmament. Eine spezielle Himmelskonstellation schien in dieser Nacht zum 25. Dezember mich in eine Unruhe zu versetzen, die mich nicht einschlafen ließ. Ich zog mich warm an und ging hinaus in den Garten. Stille, nur der Biswind ließ ab und zu dem neben dem Eingang aufgehängten Windspiel zarte Glockentöne entlocken. Ein Käuzchen ruft vom nahen Wald sein Nachtgebet. Vom Dorf herauf erklangen dann in diese Stille die Kirchenglocken, die die Mitternachtsmesse einläuteten. Das Licht des Vollmondes verbreitete Zuversicht und eine auch ein Gefühl von Wärme, die versucht, traurige Herzen ein wenig aufzuwärmen, Liebe und Hoffnung einkehren zu lassen, wie auch zu erleuchten. Ein dünner Schleier ließ das Mondlicht leicht verklärt freizugeben, aber die vielen Sterne leuchteten umso mehr. Ein Wintermond, der mich in die Stille dieser Nacht zum Weihnachtstag hin begleitete mit seinem hellen Licht. Licht und Schatten, Funkeln und Glitzern, eine Landschaft wie im Märchen. Obschon es bitter kalt war, frierte es mich nicht. Ein wohliges Gefühl von Wärme kam in mir auf ob der Schönheit dieser Winternacht, die begleitet war von einem wunderschönen Wintermond und ebensolchen Gedanken.

 

© 2007  Hans-Peter  Zürcher

 

 

Novembereis oder gefrorene Herzen

 

18. November 2007 / 15. Juli 2010

 

Das d – Moll Klavierkonzert No. 3 von Rachmaninov begann mit einer traurigen Düsterheit und Schwere, als wollte diese den Hörer hinabziehen in eine dunkle Welt der Hilflosigkeit. Doch schon bald, übernahm das Soloklavier mit leisen und zarten Tönen das Zepter und vermittelte so Zuversicht und Hoffnung, die gleich aber wieder durch wirbelnde Klangveränderungen einem kalten Biswind ähnlich weichen mussten. Ein steter Kampf von Schwere und Leichtigkeit, von Trauer und Hoffnung begannt sich zu einem Tanz zu verweben. Angezogen und weggestoßen, stolpernd über Stock und Stein, ein Auf und Ab der Gefühle. Abgestorbener Blätter gleich wirbelten die Akkorde durch den Raum, angeregt durch einen kalten Novemberwind. Zwischendurch glänzten einige wärmenden Sonnenstrahlen, die sich durch rasch dahin ziehende Wolkenfetzen geschlichen hatten.

 

So erging es auch dem jungen Mann, dem es leicht fröstelnd im bequemen Sessel dennoch weit angenehmer war als draußen in der kalten Novembernacht. Auch draußen wehte ein eisiger Novemberwind. Es herrschten Temperaturen wie um diese Jahreszeit schon seit Jahren nicht mehr. Der Nachthimmel war mit Millionen von Sternen besetzt, die glitzernd und funkelnd der Erde zu blinzelten. Die einen schwach und zart, die anderen stark und frech. Nur der Siebentagemond leuchtete heller mit seinem kaltblauen Licht. Die Temperatur unter dem Gefrierpunkt ließ einem im warmen Stübchen verweilen. Begleitet von gedämpftem Licht, das eine weiße Kerze ausstrahlte, schweifte sein Blick durch das Fenster, dessen Vorhänge weit geöffnet waren. Sein Blick verlor sich in die Unendlichkeit des Universums, hinaus in die weite Dunkelheit der Nacht. Schemenhaft schwarz zeichneten sich die fast kahlen Bäume vom leicht erhellten, funkelnden Sternenhimmel ab. Ab und zu schneite es vom Wind weggerissene Blätter am Fenster vorbei, die dann im weichen Licht der Kerze ihren goldenen, roten oder braunen Farben noch einmal kurz aufleuchten ließen, bevor sie sich ins Dunkle der Nacht verloren. Während er so zum Fenster hinaus schaute, tauchte ihm immer wieder dasselbe Bild vor Augen auf, das ihn innerlich fast zu zerreißen drohte. Trotz der zauberhaften Musik Rachmaninov’s, die aus den Lautsprechern seiner Musikanlage erklang, durchströmte ihn ein eisiger Hauch von Schmerz. Bis anhin hatten ihn beim Anhören dieser Musik seine Gedanken durch weite Wälder mit grünen Lichtungen, entlang an gurgelnden Bächen und hinauf in hügelige Voralpen geführt. Leuchtende Berggipfel mit schimmernd weißen Kappen aus ewigem Schnee, milde Lüftchen die die grünen Blätter der Bäume umspielen und Grashalme leicht wiegen liessen. Geschäftiges Treiben der Vögel in den Wipfeln von Tannen  und Laubbäumen.

 

...Und jetzt ? er klebt am Türfenster des abfahrenden Zuges und versteht nicht warum dieser sich in Bewegung setzt ohne dass er sich von seiner Geliebten hätte verabschieden können. Viel zu früh, den Fahrplan nicht beachtend, begann der Zug sich in Bewegung zu setzten und erreichte binnen Sekunden eine Geschwindigkeit, die einem Herbststurm ähnelten. Ein entsetztes Gesicht, aus dem die dunklen Augen die er so liebt eine unverständige Traurigkeit ausstrahlen, war das letzte Bild seines überaus hübschen Mädchens, das in seiner Erinnerung haften blieb und sich mit seiner Hilflosigkeit verschmolz. All diese wenigen Sekunden reichten aus, sein Herz einfrieren zu lassen. Lange Sekunden, die Hände an der Scheibe, die Nase an der Scheibe, den Blick ins Dunkle der Nacht gerichtet. Wie Blitze zuckten ab und zu Lichter von Strassenlaternen und beleuchteten Fenstern vor seinen Augen auf, die sich mit heißen, brennenden Tränen zu füllen begannen und über seine Wangen den Weg in die Weite suchend, sich in der trockenen Luft des Eisenbahnwagens verloren.

 

Seiner Geliebten mochte es nicht besser ergangen sein. Zitternd stand sie da auf dem Bahnsteig, den Schatten ihres nicht minder schönen Jünglings im Gegenlicht des Türfensters, immer schneller die letzten erhellten Fenster des Zuges und dann das Schlusslicht, das sich rasend schnell im immer enger werdenden Schienenstrang in die Ferne verlor. Ihr Herz eingefroren, sekundengleich mit dem Herzen ihres geliebten... 

 

Hoffnungsvoll und leicht erhebend erklangen nun die Akkorde und Töne des Soloklaviers, untermalt von Hornklängen und schwebenden Geigenstimmen, die einen sanft sich anfühlenden Klangteppich woben. Immer wieder aber verfochten sich kalte Winde unverfroren in diese sich harmonisierenden Klänge, vermochten aber nicht, das Eis zum schmelzen zu bringen. So heftig wie der Abschied ohne Abschied endete dann auch das Klavierkonzert. Gleich hüpfenden Rädern eines über Weichen rumpelnd Eisenbahnzuges zog es die Musik der unendlichen Ferne, abrupt und ohne Vorwarnung in eine unwirkliche Weite. 

 

Diese klare und kalte Novembernacht aber verwandelte, untermalt von leichten Morgennebelchen, das kurze Gras der Wiesen und die abgefallenen Blätter, die über den Boden verteilt waren, in eine eiskristallzierende, frostige Schönheiten. Hier lagen sie nun, darunter auch Blätter in Herzform, überzogen mit einer feinen Schicht von erstem Novembereis. Als ob tausende Abschiedstränen auf dessen Ränder vergossen wurden, glitzerten diese kristallumrandeten kleinen, filigranen Kunstwerke. Sie konnten aber nur kurze Zeit ihren Reiz beibehalten, Sonnenstrahlen erwärmten im laufe des Morgens all diese Herzen und ließen das Eis schmelzen. Genau so wie die erwärmende Liebe dieser beiden Menschen das Eis ihrer gefrorenen Herzen auftauen wird.     

 

© Hans-Peter  Zürcher

 

 

Eine kleine Adventgeschichte

 

2. Dezember 2007

 

Ein trüber und kalter Adventsonntag war es damals anfangs Dezember. Am Nachmittag fuhr Peter mit der Straßenbahn aus der Innenstadt dem Bahnhof zu. Die Fensterscheiben waren beschlagen, da und dort sah man aber durch frei gewischte Löcher hinaus. Die Strassenlaternen beleuchteten mit gelblichem, warmem Schimmerlicht die Gehsteige und die Strassen, die weiß glitzernd mit Schnee bedeckt waren. Das Treiben in den Straßen und Gassen wie auch in den Geschäften war eher gemächlich. Keine Hektik, wenig Leute, ein eher ruhiger erster Verkaufssonntag im Dezember. Leise rieselte Schnee aus dem mit dicken dunklen Wolken verhangenen Himmel. Das Rumpeln des alten Starssenbahnwagens wurde durch den Schnee gedämmt. Trotz geschlossener Fenster fühlte Peter einen kalt einströmenden Luftzug, der ihn frösteln liess, dessen die großen Elektroheizkörper unter den hölzernen Sitzbänken nicht wettmachen konnten. Er schlug seinen Mantelkragen hoch und verschob sich auf der Sitzbank gegen den Mittelgang hin. Im Wagen befanden sich nur wenige Passagiere, denn es war noch früh am Nachmittag. Im schräg gegenüberliegenden Abteil entdeckte er einen Teddybären, der verlassen auf der Holzbank saß und lustig im Takt der holpernden Straßenbahn wackelte. Ja, es war schon etliche Jahre her, da hatte er auch einen solchen Bären, der ihn immer und überall hin begleitete. –Wer mag den wohl vergessen haben, muss wohl sehr traurig sein, das Kind-. Er stand auf und setzte sich dem Bären gegenüber. „Na, kleiner, wer hat dich denn da einfach sitzengelassen“. Der Teddy blieb stumm, blickte Peter aber mit großen, dunklen, leuchtenden Augen an. Graubraun, war er, mit einem liebevoll gebunden, schützenden Schal um den Hals. Schließlich war es ja Winter und wer kuschelt da schon gerne mit einem Teddy der erkältet war. Als an der Endstation am Bahnhof die wenigen Passagiere ausgestiegen waren und sich niemand um den kleinen Bären gekümmert hatte, nahm ihn Peter beherzt auf, streichelte ihm liebevoll über den Kopf und sagte zu ihm: „wenn du willst, nehme ich dich mit in mein warmes Stübchen, dann musst du wenigstens nicht frieren und bist nicht so alleine. Weißt, ich hab zu Hause meinen Mutzli, den kleinen Bären, der mich durch meine Kindheit begleitet hatte“. Er kippte ihn kurz nach hinten und zurück. „Mö ööö “ war seine Antwort, das soviel hieß wie ja gerne.....

 

Seither sind gut vierzig Jahre vergangen. Peter war mit dem Zug unterwegs nach Hause. Ein Werktag war es im November. Seine Nachbarin Yvonne mit ihrer Enkelin war ebenfalls im Zug. Die Kleine hatte ihren Teddy, der stark verknutscht und lädiert aussah, mit dabei und spielte mit ihm während der Fahrt. Sie setzte ihn auf den freien Sitz gegenüber und plauderte mit ihm drauf los. „Pass ja gut auf ihn auf, Vreneli“, mahnte sie die Kleine, „nicht dass du ihn dann sitzen lässt, wenn wir aussteigen müssen“. Dann erzählte sie Peter, dass sie ihren geliebten Teddybären vor vierzig Jahren in der Straßenbahn sitzengelassen habe. Sie war damals fünf Jahre alt und mit ihrer Tante zum Weihnachtseinkauf in die Stadt gefahren. Damals sei sie sehr traurig gewesen über den Verlust ihren geliebten Bären. Peter musste über diese Geschichte schmunzeln, erwähnte aber nichts von seinem damaligen Fund.....

 

......Am ersten Adventsonntag, mild war es, aber stürmisch, machte sich Peter mit einem kleinen Bündel unter dem Arm auf den kurzen Weg hinauf zum Haus von Yvonne.  Sie waren schon seit damals Nachbarn, sie in ihrem Elternhaus, Peter in den seinem. „Schön dass du kommst, wir sind gerade beim Tee, komm doch herein, bitte, sei so gut. Aus dem Haus strömte ihm ein feiner Duft von Weihnachtsgebäck entgegen. Ja, diese Einladung nahm er sehr gerne entgegen. „Wir sind am Backen und gönnen uns nun ein erstes Gutzi“, lächelte Yvonne. Kerzen auf dem Tisch und ein elektrischer Pyramidenleuchter am Fenster trugen das ihre bei zu dieser vorweihnächtlichen Stimmung.

 

Peter öffnete geheimnisvoll sein mitgebrachtes Bündel. „Mö ööö“, ertönte eine Stimme  aus der Decke. Peter streckte mit einem Lächeln den mit Schal bekleideten Teddybären Yvonne hin und sagte: „schau, den habe ich just vor vierzig Jahren am ersten Advent in der Straßenbahn sitzend gefunden und ihn mit in mein Stübchen mitgenommen. So war mein Mutzli nicht ganz allein, denn zum spielen war ich damals nun wirklich zu alt“. Yvonne konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, zu bewegt war sie. Sie umarmte Peter und küsste ihn auf die Wangen. „Mein Gott, du?“, stammelte sie ganz aufgeregt, „du hast ihn gefunden, nein so was, nun wohnen wir schon so lange nebeneinander und mein Fritzli, den ich so vermisst hatte, war mir so nah. Nun holte Peter auch noch seinen Mutzli aus der Decke, „nimm ihn zu Dir, denn die beiden sind in den vierzig Jahren gute Freunde geworden, sie zu trennen wäre für die beiden sicher sehr schlimm...

 

© 2007 bei Hans-Peter Zürcher

 

 

 



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