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Märchen

 

 

Der Seidenschuh

 

21. Oktober 2006

 

Es begab sich vor noch nicht allzu langer Zeit, es war gerade anfangs Oktober. Ich säuberte meinen Alpengarten von gelben Blättern, die der Wind in der letzten Nacht dort abgesetzt hatte, damit sich die noch wenigen blühenden Pflanzen meinen Augen darreichen und mich erfreuen können.

 

So auch der Sommerenzian, der bei mir immer zu dieser Jahreszeit zu blühen beginnt. Hingebungsvoll öffnet er an sonnigen Tagen seine dunkelblauen Blütenkelche dem blauen Himmel entgegen, als wollte er diesem zeigen, dass er ein ebenso tiefes Blau aufweisen könne. Seine weißgelben Blütenstempel locken die letzten Hummeln an um denen Nahrung zu bieten. Lustig tanzen immer noch Schmetterlinge durch die milde Luft. Da sind auch die Dickblattgewächse, wie die Fetthenne, auch „Oktoberlli“ genannt, da sie meist just zu Oktoberbeginn uns mit ihren kleinen, zartrosa Blütenbällchen erfreuen. Ein Duft von feuchter Erde strömte mir entgegn. Ein ganzer Sommer lang verströmte mein Rosenbäumchen ein Hauch von Rosenduft und nun zierte nur noch grünes Laub die verholzten Äste, nicht eine einzige blühende Rose war zu sehen, nicht einmal der Ansatz einer Knospe.

 

Als ich mich dann meiner alpinen Anhäufung von Steinen und Pflanzen näherte, entschwand eine Eidechse zwischen den Steinen. Es wird wohl eine Zeitlang dauern, bis sich diese niedlichen Bewohner mit ihrer bunt schillernden Haut und den längen Schwänzen an mich gewöhnen, merken dass ich sie gern habe und ihnen nicht feindlich gesinnt bin. Ich hatte sie bereits im Sommer beobachtet. Es sind deren vier, zwei größere und zwei kleinere, die sich meinen Alpengarten als ihre neue Heimat ausgesucht haben. In der prallen Sonne machten sie sich auf Steinen gemütlich, um sich der Wärme hinzugeben, diese Neuzuzüger in meinem Garten. Spinnen verschiedenster Art tummelten sich in den Lochungen der Jurasteine. Ein Spätsommertag, der schöner nicht sein konnte.

 

Da lag auch ein goldfarbenes Ahornblatt, das seine Blattspitzen gleich einem güldenen kleinen Seidenschuh aufgerollt hatte. Ich hob es auf und betrachtete es, leicht und filigran, seidig und golden, wer hat denn wohl diesen kleinen güldenen Schuh verloren........

 

Immer, wenn ich in der Nacht nicht schlafen kann, stehe ich am Fenster und schau an mir den Himmel an. Zu entdecken gibt es immer etwas, seien es erste herbstliche Nebelschwaden, die sich immer ändernden Sternenbilder oder den Mond, der mit den  Wolken sein Spiel treibt.

 

So war es auch an diesem Abend, besser gesagt in dieser Nacht vor einigen Tagen, der Mond im abnehmen begriffen, Sternen so weit das Auge reichte und ab und zu eine Sternschnuppe. Ein leichter Biswind ließ Äste und Zweige in sanfte Schwingungen versetzen, die so das welke Laub den müde gewordenen Bäumen abnahm und wie schaukelnde Schiffchen dem Boden zu führten. Eine Sternschnuppe erleuchtete plötzlich ganz nah den Himmel und dann den Garten. Nicht blenden hell, nein eher wie ein zartes Lichtlein. Doch dieser Lichterschein konnte doch keine Sternschnuppe sein, denn dieses leuchtende Etwas blieb auf einem Stein im Alpin-Garten liegen, nein sitzen, denn nun sah ich es ganz deutlich, eine kleines Wesen, einem Engel gleich, nur viel schöner  war es anzusehen. Ein Elfchen vielleicht, so etwas könnte es gewesen sein, ja, nun hatte ich es ganz genau gesehen. Ein Bein über das andere geschlagen, den Kopf mit beiden Händen gestützt, die Ellbogen dessen Arme auf dem Knie aufgelegt, so saß es da und schien über etwas nachzudenken. Ein wunderhübsches kleines Gesicht, soweit ich dies auf diese paar Meter Distanz feststellen konnte. Ich hatte noch nie ein Elfchen gesehen. In Märchen, ja da hatte ich schon von welchen gelesen, aber gesehen, nein, noch nie. Nun erhob es sich, schwebte um den Hibiskusbaum herum und geradewegs mir entgegnen. Je näher es kam, desto weniger leuchtete es, als wollte es mich nicht blenden. Nun sah ich sein Gesichtlein ganz deutlich, weiche, zarte Gesichtszüge gekrönt von einem schönen Augenpaar, das mich lieblich anschaute. Ein lächeln umspielte seinen Mund. Ein weibliches Elfchen mit einem bezaubernden Kleidchen. Ich wusste nicht bin ich nun am träumen oder war es echt, was ich da sah und erlebte, ich kann es heute nicht mehr sagen. Es warf mir eine Kusshand zu und noch eine, schwebte wieder hinunter zum Garten umkreiste mehrmals mein Rosenbäumchen, nochmals zu mir hoch, winkte mir zu, lächelte und entschwand im Sternenmeer des Nachthimmels.

 

.......dies ging mir durch den Kopf, als ich diesen kleinen zarten, güldenen Schuh in meiner Hand betrachtete. Sachte legte ich ihn auf den Stein, auf dem ich das Elfchen sitzen sah.

 

Am Tag darauf, ich war gerade aufgestanden und schaute zum Fenster hinaus auf meinen Alpengarten, ein Ritual, das ich jeden Morgen so vollzog, sah ich, dass der kleine goldene Schuh verschwunden war und neben meinem Rosenbäumchen über Nacht eine einzelne Rose gewachsen ist. Hoch gewachsen und kerzengerade, mit großer, in zartestem rosa gehaltener Knospe stand sie da, eben gerade im Begriff, beim ersten Tageslicht sich zu öffnen. Und wirklich, je mehr sich ein wunderschöner Oktobertag entfaltete, desto mehr öffnete sich diese Rosenblüte in ein duftendes Wunder, das jeden, der an ihr vorbei ging, bezauberte.

 

Noch lange hielt dieser betörende Duft an und als dann eines Tagen die einzelnen Blütenblätter, eins nach dem anderen, müde zu Boden geleiteten, hinterließ jedes einzelne Blatt eine zartsüße Duftwolke. Noch heute, wenn ich an diese kleine Geschichte denke, rieche ich diesen feinen zartsüßen Duft.

 

© 2008 bei Hans-Peter Zürcher

 

 

Das Goldstück

 

15. Oktober 2006

 

Eine arme, aber glückliche Familie war es beschieden, nach vielen, vielen Jahren einem gesunden Jungen zu erhalten.

 

Die Familie war arm und wohnte in einem bescheidenen Häuschen am Rande einer kleinen Stadt in einfachsten Verhältnissen. Der Mann betrieb im Erdgeschoss eine kleine Schuhmacherei, die jedoch nicht viel einbrachte, denn von den wenigen Schuhreparaturen, die er ab und zu machen durfte, konnte man weder Reich werden noch die notwendigsten Reparaturen am Häuschen erledigen. Neue Schuhe konnte sich in dieser Gegen kaum jemand leisten. Die Frau versponn Wolle von einem Bauern am anderen Ende des Städtchens und verdiente so einen kleinen Batzen mit dazu. Wenn es das Wetter zuließ, arbeitete sie draußen auf dem Bänkchen sitzend vor dem Häuschen. Das Kopfsteinpflaster der nahen Straße reichte bis vor die Haustür, kein Zaun dazwischen und so war es ihr möglich, ab und zu mit einem der wenigen, die hier vorüber zogen, einen Schwatz abzuhalten. So lebten eben die Beiden bescheiden aber glücklich und viele Jahre zogen ins Land. Die Freude war dann auch sehr groß, als nun endlich ihr größter Wunsch in Erfüllung ging und die Frau einen Jungen auf die Welt brachte. Just an diesem Tag, als die Aufregung am größten war, hielt ein Wagen vor ihrem Häuschen, ein nobler Herr stieg aus und verlangte ein neues Paar Schuhe aus bestem und teuersten Materialien die nur aufzutreiben wahren. Der Schuster war sichtlich nervös und als ihn der noble Herr nach dem Grund dieses Verhaltens ausfragte. Nachdem der Schuster nun das Maß für die Schuhe genommen und das Modell besprochen war, zog der Herr einen Lederbeutel aus seiner Rocktasche und reichte dem Schuster eine große Goldmünze „für deinen Sohn ist diese Münze bestimmt, sie soll ihn eines Tages reich machen und Glück soll ihm beschieden sein. Den preis der Schuhe wollen wir bestimmen wenn sie fertig sind“. Ehe der Schuster etwas erwidern konnte, war der noble Herr samt seinem Wagen verschwunden.

 

Nach wenigen Wochen waren die schönsten Schuhe, die unser Meister je hergestellt hatte fertig, wunderschön waren sie geworden und widerspiegeln im Glanz und ihrer Schönheit die Freude über seinen Jungen. Nur, die Schuhe wurden nicht abgeholt, nicht nach einem Monat, nein, auch nicht nach einem Jahr. „Nun ja“, sagte sich der Schuster, „wir wurden ja mehr als belohnt, einen Jungen so lieb und schön und ein großes Goldstück, das ist viel mehr als uns eigentlich zustehen würde“. So lebten sie weiter in großer Armut aber glücklich und zufrieden. Das Häuschen wurde von Jahr zu Jahr baufälliger, überall zog und regnete es hinein, kaputte Fenster und das löcherige Dach konnten nur notdürftig repariert werden.

 

Sie hegten und pflegen den kleinen Jungen, der allmählich zu einem hübschen Burschen heranwuchs. Das Handwerk eines Schuhmachers konnte er von seinem Vater erlernen. Als es an der Zeit war, dass der junge Mann für seinen Meisterbrief zu erwerben zu können, auf die Wanderschaft ging, kehrte große Trauer in die kleine Familie ein, denn nicht nur die Eltern empfanden großen Schmerz beider Trennung, nein auch ihr Sohn war über und über mit Trauer erfüllt. Beim Abschied gab ihm sein Vater das große Goldstück mit den Worten „diese Münze ist für Dich bestimmt, sie soll dich eines Tages reich machen und Glück soll dir beschieden sein, dies meinte vor vielen, vielen Jahren ein nobler Herr, der bei mir die Schuhe bestellt hatte, die immer noch hier im Schrank stehen und darauf warten, dass sie abgeholt werden“. Die Münze gut verstaut und das Bündel geschnürt zog der Junge in die weite Welt hinaus, Tränen in den Augen aber Liebe im Herzen, Liebe zu seinen Eltern, die hier zurücklassen musste. Die Eltern standen eng umschlungen, mit Tränen in den Augen und winkend vor ihrem Häuschen, „da geht nun unser Goldstück, unser allerliebstes Kind in die weite Welt, möge es beschützt sein auf seiner großen Reise und glücklich wie auch gesund nach Hause zurückkehren“.

 

Ja, glücklich und gesund kehrte er nach Jahren zurück an diesen nun traurigen Ort, denn das, was er von diesem Häuschen, seiner ehemaligen Heimat vorfand, war nur noch eine Ruine. Mutter und Vater vor Trauer und Kummer über den Wegzug ihres über alles geliebten Sohnes verstorben. In der Werkstatt fand er im kleinen Schrank die Schuhe, die sein Vater einst für einen noblen Herrn herstellte und in seinem bescheidenen Reisegepäck befand sich nebst seinem Meisterbrief in einem alten Taschentuch eingewickelt auch immer noch das Goldstück, das sein Vater von diesem Herrn für ihn erhalten hatte. „Diese Münze ist für dich bestimmt, sie soll dich eines Tages reich machen und Glück soll dir beschieden sein, dies meinte vor Jahren ein nobler Herr, der bei mir die Schuhe bestellt hatte, die immer noch hier im Schrank stehen und darauf warten, dass sie abgeholt werden“, hörte er ganz deutlich seinen Vater erzählen. Mit Tränen in den Augen saß er auf dem wackeligen Bänklein vor dem Häuschen, das einst seine Heimat, sein Elternhaus war und nun nur noch eine Ruine, voller Erinnerungen darstellte. Wie gerne hätte er seinen geliebten Eltern von seiner Reise erzählt, ihnen stolz seinen Meisterbrief gezeigt, das Goldstück dem Vater gezeigt „schaut her, es hatte mich all die lange Zeit glücklich gestimmt, reich gemacht, reich an Erfahrung, reich an Liebe, reich in Herz und Seele und einen Batzen habe ich erst auch noch verdient und für euch aufgespart“, ja genau dies wollte er ihnen sagen, und dass er sie über alles lieb habe, auch das wollte er ihnen sagen und dass er ihnen dankbar sei, dass er all das erleben durfte, das ihn glücklich gemacht habe. Und nun?

 

In diese Gedanken versunken bemerkte er den Wagen nicht, der vorgefahren war. Ein alter, nobler Herr in Begleitung einer jungen hübschen Dame mussten schon längere Zeit vor ihm gestanden haben. „Guten Tag“ sagte die Dame zu ihm, „ist das nicht die Schuhmacherei, in der mein Vater vor vielen Jahren Schuhe herstellen ließ, die er jedoch nie abgeholt hatte“. Erstaunt schaute er die Beiden an und verstand nicht, was die Dame da zu ihm gesagt hatte. „Hier, ja, hier war es gewesen, den Boden, den erkenn ich, diese Kopfsteine“ sagte der Herr mit schwacher Stimme. Wie im Traum kam es unserem jungen Burschen vor, wie im Traum ging er ohne ein Wort zu Sprechen ins Häuschen zum kleinen Schrank, holte die Schuhe heraus, stellte sie auf das Bänklein, nahm das Taschentuch in dem das Goldstück eingewickelt war hervor und polierte damit die Schuhe, dass sie glänzten wie das Goldstück, das eben aus dem Taschentuch viel und am Boden mit einem leisen, hellen Klang aufschlug. Der Herr nimmt tastend und suchend das Goldstück vom Boden auf und betrachtet eine Weile die Münze, nein, nicht mit seinen trüben Augen, er betastete sie mit den Fingerspitzen beider Hände. Ein Lächeln umspielt seinen Mund, seine Augen begannen trotz der Stumpfheit aufzuleuchten. „Ja, jetzt bin ich mir ganz sicher, dieses Goldstück schenkte ich dem Meister zur Geburt seines Söhnleins, dass er es ihm aufhebe, - für deinen Sohn ist diese Münze bestimmt, sie soll ihn eines Tages reich machen und Glück soll ihm beschieden sein -, das habe ich ihm damals gesagt“. Eine Träne kullerte ihm über seine linke Wange, die ihm die junge Dame zärtlich mit ihrem rechten Daumen wegwischte.

 

Nun hatte unser junger Schumachermeister auch verstanden, wer der noble Herr, der erblindet zu sein schien, ist. Er gab sich als Sohn dessen zu erkennen, der diese Schuhe anfertigte und für ihn damals die Münz hütete, bis er zur Erlangung des Meisterbriefes von zu Hause auszog. „Hier, ihre Schuhe werter Herr“. Der noble Herr strecke dem Jungen das Goldstück entgegen, „hier junger Mann, ihr Goldstück“, nahm indes die Schuhe an sich, betastete und befühlte sie, roch an ihnen und nickte anerkennend. „Ausgezeichnete Arbeit, ob sie mir wohl noch passen“. Und ob sie noch passten, große Freude überkam ihn, „Ausgezeichnet“, immer wieder diese Worte. Die junge Dame führte in zur Straße und zurück, „ja, ausgezeichnet, nun müssen wir noch über den Preis sprechen, junger Mann“. „ Nein, mein Herr, dieses Goldstück war mehr als das, was diese Schuhe kosten würden. Diese Münze brachte unserem bescheidenen Häuschen Glück, wohl kein Wohlstand, aber Glück und Liebe für unsere Familie und machte mich reich, reich an Erfahrung und glücklich. Und so sollen nun diese ihre Schuhe auch sie glücklich machen, mein Herr“.

 

Dass die hübsche junge Dame und der junge Bursche sich gefunden haben und sich in einander verliebten, muss ich wohl den geigten Leserinnen und Lesern nicht weiter erwähnen, das haben auch sie sicher langst gespürt. Macht Euch nun selbst ein Bild davon, wie diese Geschichte weitergeht.......

 

Glück und Liebe soll diesem Jungen Paar verheißen sein, ein Leben lang.

 

© 2008 bei Hans-Peter Zürcher

 

 

Der verlorene Augenblick

 

2. Oktober 2005

 

< Alle großen Leute sind einmal Kinder gewesen > Antoine de Saint – Exupéry.

 

Diese Geschichte, die ich hier erzähle, handelt von einem Mädchen, das auch einmal ein Kind war. Nur, der kleine Prinz entschwand eines Tages zurück auf seinen kleinen Planeten, und Johanna?

 

Die kleine Johanna war nicht nur ein hübsches Mädchen, sie war steht’s fröhlich, lachte gerne und viel, sie war zu allen, ob Mensch oder Tier immer gut. Ihre Lieblings -spielplätze waren zu allen Jahreszeiten der Garten, der nahe Wald und die Alp in den Bergen. Vor allem wenn sie jeweils mit ihre Eltern den Sommer auf der Alp verbrachte, war sie überglücklich. Da konnte sie Stundenlang durch die Natur streifen, Blumen pflücken und Tiere beobachten. Und noch etwas liebte sie über alles, ein kleines Buch mit vielen Zeichnungen, es hieß < Der kleine Prinz >. Dieses Buch war ihr ständiger Begleiter, wie früher, als sie noch klein war, ihre Puppe. Sie hatte es immer bei sich, ob im Garten oder in den Ferien. Johanna kannte dieses Buch inzwischen in – und auswendig. Es widerspiegelte auch ein wenig ihre eigene Geschichte, die Geschichte von der Suche nach der Wahrheit, den Menschen, der Freundschaft und der Liebe.

 

Die Jahre vergingen und aus der kleinen Johanna wurde eine hübsche junge Frau. Eines Abends im Frühsommer saß sie auf der großen Steinbank, die am anderen Ende des Gartens unter der großen Linde stand. Ihre Gedanken folgten ihrem Blick, denn sie beobachtete seit geraumer Zeit das Spiel zweier Falken, die drüben über dem Feld ihre Flugkünste demonstrierten. < So frei und unbeschwert müsste man sein >, ging ihr durch den Kopf. Der Himmel war klar und tief blau. Erste Sterne begannen zu funkeln und kleine Wölkchen leuchteten rötlich – gelb in den Abendhimmel. Die Sonne war bereits untergegangen, es wurde merklich kühler. Sie hatte alles, was sie sich nur wünschen konnte, nur eines hatte sie nicht, einen Freund. Nein, nicht irgendwelche Kameraden, die hatte sie zur genüge, einen richtigen guten Freund, der mit ihr Sorgen und Kummer, aber auch Freude teilen könnte. Einen Freund, der für sie da wäre und zuhören könnte, für den aber auch sie da sein könnte. Umgeben von den Abend -gesängen der Vögel und eingehüllt in den Duft von blühenden Sträuchern und Bäumen wurden in ihr Erinnerungen an ihre Kinderzeit wach, in die sie ihre Gedanken entführten. Augenblicke der Unbeschwertheit des Kindseins, des Spielens, des fröhlich und glücklich seins. Sie erinnerte sich an einen Abschnitt im < Der kleine Prinz >: ... Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an: „ Bitte ... zähme mich! “ sagte er. „ Ich möchte wohl „, antwortete der kleine Prinz, „ aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge kennen lernen. „ „ Man kennt nur Dinge, die man zähmt „, sagte der Fuchs. Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennen zulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich! “

 

- Es war vor zwei Jahren um die gleiche Jahreszeit. Johanna streifte eines Nachmittags durch die Wälder der nahen Umgebung. Plötzlich hörte Sie ein klagendes, leises wimmern im Unterholz. Sie schenkte diesem jedoch keine Achtung, denn im ganzen Wald waren Laute und Geräusche zu vernehmen, ob die krächzenden Rufe des Eichelhähers, die Klopfgeräusche der Spechte, die Rufe der Falken und der Gesang der vielen Vögel. Der ganze Wald schien in Aufbruchstimmung zu sein. Diese Stimmung steckte auch Johanna an, sie begann ein Lied vor sich hin zu singen, pflückte da und dort eine Blume und erfreute sich des schönen Tages. Doch die klagenden Laute aus dem Unterholz ließen ihr plötzlich doch keine Ruhe. Sie kehrte am Abend, kurz vor dem Eindunkeln nochmals an diesen Patz zurück und siehe da, es war nichts zu hören, außer einer Amsel, die ihr Abendlied darbot. „ Das war doch hier, unweit der großen Buche, das weiß ich ganz genau „ murmelte sie vor sich hin. Ab und zu das leises knacken von Ästen und ein leise säuseln vom Wind, der durch die Baumwipfel strich, das Abendlied der Amsel, sonst war nichts zu hören. Am anderen Morgen ging sie nochmals an diesen Platz. Ein leises Wimmern aus dem Unterholz. Ja. jetzt hörte sie es ganz deutlich, dasselbe klagen und wimmern wie gestern Nachmittag. Nun durchstreifte Johanna vorsichtig das Unterholz. Es dauerte nicht lange, da fand sie ein kleines eingerolltes, braunes, zitternde etwas, das gut geschützt durch Grünzeug versteckt war. Grosse blaue Augen schauten ihr entgegen. Das etwas entpuppte sich als kleiner Fuchs, nicht älter als einige Wochen. Abgemagert und geschwächt ließ er sich aufnehmen. Sie trug das Häufchen Elend nach Hause, richtete in ihrem Zimmer einen großen Korb zurecht, der als Nest dienen sollte. „ Ein Bad schadet dir wohl nicht „ sagte sie zum Füchslein „ du stinkst und nach dem Bad werde ich dich mit etwas feinem füttern. „ So kam es, dass sie dieses Füchslein fütterte, erst mit der Flasche, später mit fester Nahrung. Beim nächsten Gang in die Stadt kaufte sie ein breites schwarzes Halsband mit dazu passender Leine. Somit wurde es möglich, das Füchslein im Garten auszuführen. Schon nach kurzer Zeit erholte sich das Tier und wuchs zu einem kräftigen, starken Fuchs an. Speziell zu zähmen brauchte Johanna den Fuchs nicht, denn durch das aufziehen mit der Flasche, wie auch die liebevolle Pflege steuerte das Übrige dazu bei. Im Garten braucht sie ihm die Leine nicht mehr anzulegen, der Fuchs wich kaum von ihrer Seite. Sie brachte ihm einiges bei, als wäre es ein Hund und so wurden sie zu untrennbaren Freunden. Ein Jahr zog ins Land, die beiden waren ein Herz und eine Seele, aber trotzdem hatte Johanna das Gefühl, dass der Fuchs seine Freiheit, die ihm  von Natur aus auch zu stand, benötigt. Denn wenn er auch zahm war, er war ein Wildtier und gehörte nicht in ein Haus. So versuchte sie sich immer mehr von ihm zu Distanzieren, nicht mehr an der Leine zu führen, wenn sie gemeinsam über Land spazierten um ihm so immer mehr Freiheit zu gewähren. Anfänglich nahm der Fuchs dies als Spiel war, merkte wohl bald, dass dem nicht so war, denn Johanna folgte ihm nicht mehr nach, wenn er versucht hat, sich im Wald zu verstecken. Auch im Garten wurde er nicht mehr an die Leine gebunden und konnte somit frei entscheiden, wohin er ziehen soll und wann er gehen und wieder kommen soll. Die Malzeiten wurden weniger, da nutzten auch sein Blick aus seinen großen, blauen Augen wenig. Es kam, wie es kommen musste, unser Fuchs kehrte immer seltener von seinen Streifzügen in die Umgebung zurück. Anfänglich waren es Stunden, dann Tage. Manchmal dauerte es eine Woche, bis er wieder zurückkam. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten immer riesig. Dies war gut so, aber Johanna schmerzte es, denn zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie einen wirklichen Freund. -

 

... so zähme mich, Johanna fühlte plötzlich einen tiefen Schmerz in ihrem Herzen. Erinnerungen kamen hoch, Erinnerungen an die schönen Stunden mit ihrem Freund und Gefährten, dem Fuchs. Erinnerungen an die schönen Augenblicke, die sie mit ihm erleben durfte.

 

- Letzten Herbst kehrte ihr Freund, der Fuchs plötzlich nicht mehr zu ihr zurück. Einfach so, ohne Vorwarnung, ohne dass etwas vorgefallen wäre, das auf diese Veränderung hingedeutet hätte. Kein Abschied, einfach weg. Im Januar, es war bitter Kalt und es auch hatte viel Schnee, da kam er eines Tages zurück, der Fuchs. Schön war er in seinem Winterpelz anzusehen und kräftig. Das schwarze Halsband immer noch um, kam er über den Garten zum Haus, als wäre er nie weg gewesen. Die Freude, die auf beiden Seiten aufkam, als sie sich wieder sahen, war unbeschreiblich. Johanna heulte los wie ein kleines Kind, sie balgten und rauften sich und ließen voneinander nicht mehr ab. Er beobachtete mit seinen listigen, blauen Augen jede Bewegung und Handlung, die Johanna ausführte. „ Ein Bad schadet dir wohl nicht „ sagte sie zum Fuchs „ so wie du riechst und nach dem Bad werde ich dich mit etwas feinem füttern. „ Nun war es wieder so wie letzten Sommer, unser Fuchs ging und kam wie es ihm passte. Beide genossen die Augenblicke, spielten miteinander und freuten sich, dass sie zusammen sein konnten. Doch diese Idylle dauerte nur wenige Tage und von da an war er wieder verschwunden. -

 

All dies ging Johanna durch den Kopf, während sie auf der steinernen Bank unter der Linde in ihrem Garten saß. Umgeben von den Abendgesängen der Vögel und ein -gehüllt in den Duft von blühenden Sträuchern und Bäumen wurden in ihr Erinnerungen an ihre Kinderzeit wach, in die sie ihre Gedanken entführten. Augenblicke der Unbeschwertheit des Kindseins, des Spielens, des fröhlich und glücklich seins. Sie dachte an ihren Freund, den Fuchs, an die schöne Zeit mit ihm. Zwischenzeitlich war es schon fast dunkel geworden. Das Spiel der beiden Falken war vorbei, wie auch dieser Tag nun zu Ende ging. „Alles nur verlorene Augenblicke“, ging ihr durch den Kopf, Augenblicke die ihn ihrer Erinnerung leben. Nur die Hoffnung, dass ihr Freund eines Tages wieder kommen würde, gab ihr die notwendige Kraft, ihren Pflichten und Arbeiten nachzugehen....

 

Und wer weiß, vielleicht wartet Johanna heute immer noch, oder ist gar am End der Fuchs zurückgekehrt ?

 

© 2008 bei Hans-Peter Zürcher

 

 

Das kleine Wunder oder die verzauberte Prinzessin

 

27. Januar 2005

 

Diese Geschichte hört sich an wie ein Märchen, könnte aber ebenso gut wahr sein, wie auch nur ein Traum.

 

Da lebte einmal ein junger, ganz unscheinbarer Mann in einem kleinen Haus in einem schmucken Dorf, unweit einer großen Stadt. Er fiel weder seinen Nachbarn, noch anderen Menschen im Dorf auf, war immer nett und zuvorkommend und war so auch sehr beliebt. Eines Tages, es war im Frühjahr und alles grünte und blühte, die Natur war wunderschön, ja schon fast überbordend anzuschauen. Hummeln und Bienen summten von Blüte zu Blüte, gierig nach Nektar suchend. Auch die Vögel zwitscherten und jubilierten, dass es eine Freude war. Eben an solch einem Tag beschloss er, nach einer klaren Vollmondnacht früh Morgens, wieder einmal in die nahe Stadt zu reisen, um einen Freund zu besuchen und machte sich alsbald zu Fuß auf den Weg. Über ein großes Feld, einem kleinen, gurgelnden Bächlein entlang wanderte er einem Wald entgegen, hinter dem sich die Stadt befindet, in die er beabsichtigte, zu gehen. Die Luft roch frisch, an der Sonne war es recht mild.

 

Als er so in Gedanken versunken diesem Bächlein entlang ging, sagte plötzlich jemand mit lieblicher Stimme " he, du ", er erschrak, schaute um sich, konnte aber niemand entdecken.“ He, du " sagte die Stimme, " hier unten im Bächlein ", sagte die Stimme weiter. Unser Freund, so dürfen wir ihn ruhig nennen, denn wir dürfen ihn durch diese Geschichte begleiten. Also, unser Freund blieb stehen und schaute ins Bächlein, konnte aber nichts weiter sehen, als das Wasser, das munter vor sich hin gurgelt und in dem sich der reine, klare Himmel spiegelt. Also kniete er nieder und bückte sich über das Wasser. Sehen konnte er aber nur sein eigenes Gesicht als Spiegelbild im Wasser. - Nun -, dachte er, - ich habe vielleicht nur geträumt -. Doch plötzlich, er betrachtete immer noch sein Spiegelbild, veränderte sich dieses, und er schaute in ein hübsches, ja wunderschönes Gesicht von einer jungen Frau. Er schloss seine Augen, öffnete sie wieder, aber dieses Gesicht schaute ihm immer noch entgegen. " He du, bitte hilf mir, bitte, ich weiß, dass du der einzige und auch richtige Mensch bist, der mir helfen kann. Du hast ein gutes Herz und eine reine Seele. Vor vielen Jahren wurde ich verbannt und in einen Fuchs verwandelt. Nur an solchen Frühlingstagen, bei Vollmond, bin ich für einen kleinen Augenblick befreit, und mein wahres ich darf in diesem Bächlein als mein Spiegelbild für kurze Zeit nur baden ". Nun bewegte sich das schöne Gesicht ein wenig seitwärts, und da kam auch sein eigenes Spiegelbild wieder zum Vorschein. Langsam schwamm nun das schöne Gesicht weg, es wurde nun der ganze Körper dieses Wesens ersichtlich und der war eben so wunderschön wie das Gesicht. " Bitte! ", sagte die Stimme " bitte, helfe mir ".“ Wie kann ich dir denn helfen? ", wollte unser Freund wissen. " Das ist schön von dir, danke, du wirst es nicht bereuen. Du wirst dann schon das Richtige tun, aber bitte, habe keine Angst, handle wie dir dein Herz befielt und erschrecke nicht, und vor allem, habe keine Angst, bitte! ".

 

Ganz in Gedanken versunkenen kniete er immer noch an diesem Bächlein und war sich immer noch nicht sicher, ob er jetzt geträumt  oder sonst irgendwie fantasiert hatte. Er wusch sich das Gesicht mit dem kühlen Wasser, schüttelte seinen Kopf und lief weiter, denn er wollte ja eigentlich zu seinem Freund in die Stadt. Als er nun durch den Wald lief, war ihm, als sehe er weiter vorn einen Fuchs den Weg queren. - Ach -, dachte er, - vielleicht bin ich auch ein wenig verwirrt, dieser außerordentlich schöne Tag, lässt vielleicht nicht nur die Natur, die Vögel, Bienen und Hummeln überborden, sondern auch mich. Er genoss diesen Spaziergang durch den Wald, dann durch die Vorstadt bis hin zum Haus von  seinem Freund. Auch hier in den Gärten sah man den Frühling sich üppig ausbreiten. Sein Freund kam ihm entgegen, begrüßte ihn herzlich und so zogen sie ein Stück gemeinsam des Weges.

 

Nun verbrachten die beiden diesen Tag mit einem feinen Essen, einem Glas guten Wein und einem ausgiebigen Gespräch. Darob vergaß unser Freund die Begebenheit vom Morgen. Als er sich dann gegen Abend von seinem Freund verabschiedet hatte, machte er sich auf den selbigen Wegen wie am Morgen auf den Heimweg zurück in sein Dorf. Es schien, dass dieser Tag sich so verabschieden wollte, wie er begann. Im Wald war ein Singen, Zwitschern und Jubilieren zu hören, dass es sich schon fast wie ein richtiges Konzert anhörte. Auch der Ruf eines Kuckucks war nicht zu überhören. Ein Specht klopfte hämmernd eine Höhle in einen Baumstamm für sein Nest und aus dem nahen  Feld waren Amseln mit ihren Abendlied zu hören, die damit um die Wette sangen, und das Bächlein murmelte auch munter vor sich hin. Ein wunderschöner Abend mit ebensolchem Abendrot zierte den sich dunkelblau verfärbenden Himmel.

 

Er hatte noch nicht den Rand seines Dorfes erreicht, da verdunkelte sich aber der Himmel fast schlagartig, schwarz, düster, bedrohend und es brach ein Sturm los, wie ihn hier im Land noch nie jemand erlebt hatte, selbst die ältesten Dorfbewohner konnten sich nicht an so etwas erinnern. Äste und andere Gegenstände wurden durch die Luft gewirbelt, Blitz und Donner, Hagel und Regenschauer brachen gleichzeitig über das Land. Wer sich jetzt noch ungeschützt im Freien aufhielt war nicht zu beneiden.

 

Schon beim ersten Windstoss stürzte unser Freund und blieb dann auch gleich am Boden liegen, und das war auch gut so. Direkt neben ihm stürzte ein Baum mit krach und Getöse zu Boden. " Bitte ! bitte.......... ", glaubte er im brausenden und tobenden Lärm dieses Unwetters zu hören.“ Bitte ! bitte ....", schon wieder. Ein Blitz nach dem anderen erhellte die Gegend gefolgt von gewaltigen Donnerschlägen. Und da, da sah er plötzlich im hellen Schein, dass ein schlanker, ja fast magerer Fuchs, der ein rotes Halsband um hatte, sich mit der sich daran befindlichen Leine an einer Wildrosenstaude verfangen hatte und nicht los kam. Rundherum schlugen Blitze ein und es krachten Donnerschläge, als dass die Welt untergehen wollte. " Bitte ...! " war nun ganz deutlich zu hören. - Das war ja die Stimme von heute Morgen -, erinnerte sich unser Freund, stand auf, wurde aber gleich wieder von einem nahe einschlagen Blitz, zu Boden geworfen. Er ließ sich aber nicht abschrecken und kämpfte sich so lange gegen die Unbilden der Natur, bis er beim Fuchs war. Ihn loszulösen von diesem dornigen Strauch brauchte etlichen Aufwand, und dann nur weg, denn der Busch stand mitten unter einer Gruppe von hohen Birken. Er war noch keine zwanzig Meter weg, zuckten wieder Blitze in nächster nähe, da ließ er sich geistesgegenwärtig zu Boden fallen, den Fuchs schützend unter sich und seine Hände schützend über dem Kopf. Da, ein heller, großer Feuerball und gleichzeitig einen riesiger Knall. Die Birken und der Wildrosenbusch standen in Flammen und erhellten die ganze Umgebung. Und so plötzlich wie das Unwetter losbrach, so plötzlich war es auch wieder vorbei. Die Wolken verzogen sich, der helle, noch volle Mond kam zum Vorschein und die Sterne begannen zu funkeln, als ob nichts geschehen wäre.

 

Wie lange unser Freund so dagelegen war, wusste er nicht mehr. Aber was war denn das? unter ihm lag nicht der Fuchs, sondern das wunderschöne Mädchen, dessen Spiegelbild er heute Morgen im Bächlein erblickte. " Danke, danke mein lieber Freund, du hast mir das Leben gerettet und mich dadurch von dem mir auferlegten Fluch befreit. Ich danke dir ganz herzlich ", und sie küsste ihn ganz zärtlich auf die Lippen. Er wusste nicht wie ihm geschah, und war sehr glücklich, konnte aber nicht mehr unterscheiden, war dies nun ein Märchen, oder Wirklichkeit, oder gar ein Traum.

 

Da sie keine Unterkunft hatte, nahm er sie mit zu sich nach Hause, so wohnte sie im kleinen bescheidenen Haus von unserem Freund. Die beiden verliebten sich in einander und so wurden sie ein Paar.

 

Ein Jahr später, es war im Mai, da heirateten die beiden in der kleinen Kirche im Dorf. Ein großes Fest wurde vorbereitet, denn er war ja sehr beliebt im Dorf. Die wunderliche Geschichte vom verwandelten Füchslein kannte bald jeder und so schlossen alle auch das schöne Mädchen in ihre Herzen. Und so steuerte dann auch jeder etwas zu diesem großen Anlass bei. Das ganze Dorf wurde mit Fahnen festlich geschmückt und die Natur trug auch das ihrige dazu bei. Blumenkränze und Girlanden überspannten den Weg vom Haus zur kleinen Kirche. Die Braut hatte ein schlichtes weißes Kleid an, um den Hals das rote Halsband als Schmuck und über die Schulter eine Stola aus Fuchspelz. Sie sah wunderschön aus mit ihrem rotbraunen lockig langem Haar, in die eine rote Wildrose gesteckt war. Eben so schlicht war der Bräutigam gekleidet. Alles war nun für diese Hochzeit vorbereitet und bereit, die Trauzeugen, die Eltern von unserem Freund und das ganze Dorf, nur die Eltern der Braut fehlten.

 

Gerade als eben die Kirchenglocken zu läuten begannen, fuhr eine große rote Kutsche vor. Da kam nun plötzlich eine riesige Aufregung in die Hochzeitsgesellschaft, denn da stieg ein Königspaar aus dem schmucken Wagen, umarmten und küssten erst herzlich die Braut und dann auch den Bräutigam. Und so wussten nun alle, dass dieses schöne Mädchen eine Prinzessin war. Die Hochzeit konnte jetzt durchgeführt werden und das Fest dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

 

Das junge Paar lebte nun fortan glücklich und zufrieden in diesem bescheidenen kleinen Haus in diesem schmucken Dorf, halfen wo Not war und Hilfe notwendig und freuten sich des Lebens.

 

Und wenn wir in diesem Dorf, oder einem anderen, ein hübsches, glückliches und zufriedenes Paar antreffen, ja..., ja dann könnte es vielleicht auch das aus unserer Geschichte sein ! 

 

© 2008 bei Hans-Peter Zürcher

 

 

Die Prinzessin und der Alpenprinz

 

5. März 2005

 

Ob Märchen oder nicht

diese Prinzessin ist ein Gedicht

sie ist liebenswürdig schön und klug

 ein Mensch mit grossem Herze gut

 

Man konnte es ihr aber nicht ansehen, doch sie war im Herzen und in der Seele sehr krank. Die Trauer um ihren Liebsten, den sie in den Bergen zurücklassen musste war nämlich so gross, dass sie sich seit Monaten sehr schlecht fühlte. Nun lebte sie einsam und zurückgezogen im Schloss von ihrem Vater, sozusagen in einem goldenen Käfig. Ihr stand alles nur Erdenkliche zur Verfügung, alles was man sich nur vorstellen und wünschen kann. Aber all dieser Luxus nutzt wenig, wenn jemand zu tiefst unglücklich ist, und das ist unsere Prinzessin. Dabei war vor einem halben Jahr alles noch ganz anders.

 

Es war ein schöner Morgen mitte September, als unsere Prinzessin von ihrem Häuschen in dem kleinen Bergdorf, wieder hoch hinauf auf die grosse Alp wanderte. Hier in diesem Bergdorf wohnte sie den Sommer über in einem einfachen Häuschen, etwas abgelegen, hoch über dem Dorf. Und dies schon seit Anfang Juni, als es drunten im Tal begann heiss und schwül zu werden. Im Dorf, ja im ganzen Bergtal wusste niemand, dass sie eine Prinzessin war, denn sie kleidete, und benahm sich so wie alle anderen hier oben, und sie war nett zu allen Leuten im Dorf und zu den wenigen Bewohnern hier oben in diesem Weiler. Sie war ein sehr schönes, schlankes Mädchen von fünfundzwanzig Jahren, immer fröhlich und heiter gestimmt.

 

Also, unsere Prinzessin wanderte über Weiden und durch würzig duftenden Wald immer höher hinauf, bis weit über die Waldgrenze zur grossen Alp, auf der Hunderte von Kühen, Rindern, Pferde, Geißen und Schweine den ganzen Sommer über weideten. Sie wusste, dass sie diesen Aufstieg, den sie diesen Sommer sicher schon mehrere Dutzende mal machte, heute zum letzten mal in diesem Jahr machen würde. In ein paar Tagen musste sie zurück reisen, in ihren Alltag im Tal.  Es war ihr irgendwie mulmig und flau im Magen und sie genoss jeden einzelnen Schritt, als würde sie nie mehr etwas solches erleben dürfen. Atmete intensiv  und mit all ihren Sinnen die reine, würzige Bergluft ein, und konnte sich dabei nicht genug satt sehen, an der wunderschönen Landschaft mit all ihren Berggipfel, Hügel und Wälder. Die Luft war rein und klar, der Himmel fast dunkelblau und wolkenlos, ein wirklich schöner Tag. Rundherum war das Geläut der vielen Glocken, Schellen und Treicheln der Viehherden zu hören. Ab und zu hörte man  auch das krächzen eines Eichelhähers oder von hoch oben in den Lüften die Rufe von Milan oder Falken.

Nach drei Stunden kamen die ersten Alphütten in Sicht, ihr Herz begann nun heftiger zu schlagen und dies nicht wegen der Anstrengung, sondern vor Freude, denn sie konnte bald ihren Liebsten umarmen und küssen. Aber sie wusste, dass dies auch Abschied nehmen hiess, auch wenn sie sich vorgenommen hatte, nochmals einige Tage hier oben zu verbringen, so wie sie dies diesen Sommer schon des oft gemacht hatte.

 

Es war mitte Juni gewesen, als sie von einer Bergtour zu dieser Alp abstieg, um über diese dann zu ihrem Häuschen zu gelangen. Sie war hungrig und durstig zu gleich und klopfte deshalb an einer Hütte, aus dessen Kamin Rauch aufstieg an und bat um Brot, Käse und einem Schluck Wasser. Es war ein älterer Senn mit grossem weißen Bart, der sie begrüßte und war hoch erfreut über diesen hübschen Besuch. Er bewirtete unsere Prinzessin mit dem Besten, was er aus Haus und Keller hervorzaubern konnte. Als sie nun zufrieden und über die schöne Aussicht beglückt so vor dieser Alphütte saß und die feinen Sachen genoss, da sah sie einen jungen Burschen auf die Hütte zukommen. Ihr blieb fast das Herz stehen, denn dieser Bursche, ja, das war jener, der sie, als sie mit dem Zug im Dorf an kam, freundlich angelächelt hatte. Er hatte ihr dann geholfen die vielen Koffer und das sonstige Gepäck in die Kutsche zu tragen und als sie ihm ein Trinkgeld geben wollte, hatte er dies lächelnd abgelehnt und freundlich gesagt " Gern geschehen und auf  wiedersehen, schöne Frau ". - Ein wirklich netter Bursche -, dachte sich die Prinzessin und freute sich über diese leider zu kurze Bekanntschaft.

 

Der junge Bursche begrüßte unsere Prinzessin und fragte, ob er sich setzen und ihr ein wenig Gesellschaft leisten dürfe, die sie natürlich gerne annahm. Er holte sich auch etwas zum essen und zu trinken und so plauderten sie über dies und jenes. Vor allem erzählte er über das Leben auf der Alp, über diese herrliche Landschaft und über das, was er bei diesem Leben fühlte und wahrnahm hier oben, in dieser Einsamkeit und Abgeschiedenheit. Und da war’s um die beiden geschehen, sie verliebten sich in einander und von da an stieg sie eben des Öfteren zu dieser Alp hinauf. Bisweilen blieb sie auch einige Tage uns sie waren sehr glücklich. Unsere Prinzessin konnte viel Neues erfahren und lernen, wie Melken, Butter und Käse herstellen. Aber auch einiges über die hier oben wachsenden Pflanzen und Kräuter, die für Mensch und Tier gut und gesund sind, welche ungenießbar und giftig.

 

Nun verlebten die beiden also nochmals intensive, glückliche Tage bis dann die Stunde der Trennung kam und die war besonders hart. Am Tag der Abreise brache dann unser Alpenprinz  seine Geliebte zum Bahnhof, verstaute die Koffer und  das Gepäck im Zug. Dann küssten sich die beiden herzhaft, umarmten sich so innig als wollten sie sich nie mehr loslassen. Tränen flossen und es war ein sehr trauriger Anblick, wenn man die beiden so verloren dastehen sah, sie im Eisenbahnwagen am Fenster und er auf den Perron. Zum Abschied reichte er ihr einen wunderschönen Bergkristall und ein Sträußchen Edelweiß, und schon setzt such der Zug in Bewegung.

 

All dies ging ihr nun immer und immer wieder durch den Kopf, sie wurde zusehends trauriger und dachte nur noch an ihren lieben Freund. Mit dem von ihm geschenkten Bergkristall in der Hand schlief sie dann jeweils am Abend ein und wenn sie am Morgen aufwachte, war der Kristall, aber auch ihre Traurigkeit immer noch da.

 

Was nun unsere Prinzessin nicht wusste, war, dass ihr Geliebter eigentlich gar kein Senn oder Bauernbursche war, sondern ein Prinz, der aber aus liebe zu Natur und zu einem einfacheren und glücklicheren Leben, auf all sein Reichtum und Besitz verzichtet hat. Und wie fühlte sich nun  unser Alpenprinz? Ihm ging es auch nicht viel besser, denn auch er dachte immer nur an seine liebe Freundin und war ebenfalls sehr Traurig.

 

Nachdem der Zug abgefahren war, musste er zurück auf die Alp, denn nun im Herbst stand sehr viel Arbeit an. Als erstes mussten die vielen Käseleiber unter all den Bauern verteilt werden, dann kam der Alpabzug mit dem ganzen Vieh. Dies tat den Sennen besonders weh, denn nun hiess es, bald Abschied nehmen von der Alp, von einem sehr schönen, aber auch strengen Älplerleben. Bevor aber auch die letzten die Alp verlassen konnten, gab es doch noch einiges zu erledigen hier oben, auch für unseren Alpenprinzen. Erst mussten der Stall und die Hütte gereinigt, und der Mist und die Gülle über die Weiden verteilt werden. Zu guter letzt musste noch geholzt werden, damit im nächsten Sommer dann in der Küche das Feuer für den Herd wie auch für die Käseproduktion entfacht und angeheizt werden konnte. Und wenn dann endlich  all diese Arbeiten beendet waren, wurde es Zeit, die Alp für einen Winter lang zu verlassen, und das ist für manch ein Älpler genau so schlimm, wie die Trennung von einem geliebten Menschen. Nun saßen unser Alpenprinz mit seinem Freund also nachdenklich und ein bisschen wehmütig und traurig auf dem Bänklein vor ihrer Hütte, und dachten über die Freuden und Leiden im vergangenen Alpsommer nach. Besonders traurig war unser junger Freund, denn er dachte beständig an die wunderschöne Zeit, die er mit seiner Liebsten hier oben verbringen durfte. Es war ein prächtiger Herbsttag, etwas Kühl aber dafür eine wunderschöne Weitsicht in die nahen und fernen Berge und Täler und die Sonne erwärmte die traurigen Herzen. So wurde Abschied genommen, ruhig und besonnen. " Denkst an deine grosse Liebe, hä?! ", meinte sein Freund, der ältere weissbärtige Senn und legte ihm seinen Arm über die Schulter. " Weißt du, mir ist sie ja auch ein bisschen ans Herz gewachsen mit ihrer liebenswürdigen und aufgestellten Art, ein nettes Persönchen, würde noch zu dir passen, hä?! ". Aber er erhielt von unserem Alpenprinz keine Antwort. Er vermisste sehr wohl seine liebe Freundin und zwar sehr, aber was noch viel schlimmer war, dass er nicht wusste wo sie zu Hause war und dass es ihm so nicht möglich war, ihr zu schreiben oder gar sie zu besuchen.

 

Nun begab es sich, dass unser Alpenprinz gegen Ende Januar in die grosse Stadt am anderen Ende des grossen Sees unten im Tal reisen musste, um dort eine Lieferung Käse zu überbringen. Zuerst musste er allerdings über die Passstrasse durch das ganze Bergtal hinunter bis in die grosse Ebene ziehen, und dieser Wegabschnitt war wegen der gefürchteten Lawinenabgänge besonders gefährlich.

 

Also zog er mit einem vollbeladenen Pferdeschlitten, bespannt mit zwei Pferden, eines schönen Morgens in aller Frühe los, denn da war der Schnee oben auf den Berghängen noch fest und der Weg sicher. Mond und Sterne waren seine Begleiter und verwandelten die tief verschneite Landschaft in eine zauberhafte Stimmung, dazu kam der helle Klang der Pferdeglocken. Nicht nur die Sterne funkelten, sondern auch die Millionen von Schneekristallen, die dank der tiefen Temperatur besonders glitzernd zur Geltung kamen. Das stampfen der Pferdehufe und das gleiten des Schlittens über den Schnee trugen das übrige zur schönen Stimmung bei. Es war wirklich bitter kalt, so dass die feuchte Atemluft der Pferde wie Dampf aus den Nüstern strömte. Über den Rücken der Pferde hatte er je eine Wolldecke zum Schutz gegen die Kälte gelegt. Er selber hat sich auf dem Schlittenbock in Decken und Felle gewickelt.

 

Dieser Winter war äusserst hart, mit viel Schnee und tiefen Temperaturen.  Selbst auf dem See bildete sich eine dicke Eisschicht, so dass dieser zum Schlittschuhlaufen und anderen Vergnüglichkeiten benutzt werden konnte. Dies war nun eine willkommene Möglichkeit, den zugefrorenen See als Abkürzung in die Stadt zu benutzen. Es ging bereits dem Mittag entgegen, als er bei schönstem Sonnenschein mit seinem Pferdeschlitten den See querte. Zum gedämpftem Pferdegetrappel, dem Geläut der Pferdeglocken und dem kratzenden Geräusch der Schlittenkufen gesellte sich nun auch noch zeitweise ein dumpfer Knall, der von Spannungen im Eis auf dem See herrührte. Des Öfteren kreuzten Schlittschuhläufer und Spaziergänger das Gespann und grüssten jeweils freundlich. Ab und zu hielt er sein Gespann an, um mit den auf dem Eis sich vergnügenden Menschen einige Wort zu wechseln. Trotz dieser schönen und auch heiteren Stimmung saß unser Alpenprinz in Gedanken verunken und traurig vorne auf seinem Schlitten.

 

Und die Prinzessin ? die war ebenfalls äusserst unglücklich und auch sehr traurig. Eine Freundin hat sie nun an diesem sehr schönen Januartag aufgemuntert, doch mit ihr zum Schlittschuhlaufen auf dem See mitzukommen, " da kommst du endlich einmal auf andere Gedanken, als immer nur deinem Geliebten nachzutrauern, und bis zum Frühjahr dauert es ja auch nicht mehr all zu lange ". So ging sie denn, wenn auch mit gemischten Gefühlen, mit. Sie glitten nun Hand in Hand über das Eis, plauderten und lachten und so vergass sie für einen Moment ihre Sehnsucht, ihr Heimweh nach ihrem Freund. Andere Schlittschuhläufer und Spaziergänger kreuzten die beiden. Ein ganz Verrückter hatte gar eine Marronipfanne auf einen grossen Hornschlitten gebunden und bot heisse Marroni an. Es war wirklich ein wunderschöner Tag, an der Sonne war es, trotz der Kälte, recht mild. In der Ferne über dem See die hohen, schneebedeckten Berge, auf der anderen Seite des Sees die grosse Stadt und erhöht über ihr das Schloss unserer Prinzessin. Es war wohl so gegen die Mittagszeit, als die beiden Freundinnen vor ihnen das rhythmische Klingen von Pferdegeläut hörten und ein Schlittengespann weit vorn auf sie zukommen sahen.

 

Unserem Alpenprinzen waren die beiden Hand in Hand fahrenden Frauen, die da auf ihn zu fuhren nicht entgangen, und er hielt sein Gespann für einen kurzen Schwatz an. " Einen schönen guten Tag ihr hübschen........" da blieben ihm die Worte im Hals stecken und er wusste nicht ob er nun träumt, oder ob er wirklich hier mitten auf dem See seine Geliebte vor sich hatte, Jetzt erkannte auch die Prinzessin ihren verloren geglaubten Freund. Da gab es kein Halten mehr, die beiden stürmten aufeinander los, umarmten und küssten sich und wollten einander nicht mehr loslassen. Und das machten sie auch nicht mehr. Auf der Fahrt in die Stadt erzählte sie ihm nun von ihrer Herkunft, von ihrem Schloss, das dort drüben auf dem Hügel über der Stadt thronte.

 

Nachdem unser Alpenprinz seine Käselieferung überbracht hatte, besuchte er seine grosse Liebe im Schloss und blieb auch gleich einige Tage, denn sie hatten sich viel zu erzählen. Die Prinzessin fuhr dann mit ihrem Geliebten mit in die Berge zurück, verkaufte ihr Schloss und alles Hab und Gut und lebte fortan mit ihrem Liebsten zusammen in einfachsten, aber glücklichen Verhältnissen. Sie verteilte all das Geld, das sie aus ihrem Besitz lösen konnte, an Arme und Bedürftige, und behielt nur gerade so viel zurück, wie sie mit ihrem Geliebten für das Allernotwendigste gebrauchen konnte. Nun verriet auch unser Alpenprinz seine Herkunft und freute sich über ihr Handeln und ihren Entscheid zu einem einfachen, naturverbundenen Leben. Im Sommer arbeitete unsere Prinzessin auf der Alp mit, gab eine gute Sennerin ab und wurde zusammen mit ihrem lieben Freund glücklich.  Die beiden führten fortan ein einfaches, aber gehaltvolles Leben.

 

Es wäre schön, wenn wir uns an diesen beiden ein Beispiel nehmen würden. Vielleicht könnten auch mit weniger mehr Lebensqualität finden. Denn mit Geld und Reichtum kann man sich wohl alles Kaufen und auch Leisten, nur Glück und Wohlbefinden für Herz und Seele können wir uns nicht erkaufen, dies muss aus Friede und Liebe entstehen, in Harmonie mit Mensch, Tier und der Natur.

 

© 2008 Hans-Peter  Zürcher

 

 

                                

 

                                                



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