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© URHEBERRECHT

Tauwetter

 

Diese Seite habe ich meinem Vater gewidmet, dem Buben auf dem nachfolgenden Foto außen rechts. Als Verdingbub wurde er von seiner Mutter den Bauern „verschachert“. Eine ordentliche Schul- und Ausbildung waren ihm dadurch vergönnt. Harte Arbeit zeichneten seinen Lebensweg. Zeichnen, Malen und Musizieren haben aber sein strenges Leben bereichert und ihm in manch harter Stunde Trost und Freude vermittelt.

Vater als Verdingbub

Tauwetter

 

Diese Kurzgeschichte habe ich meinem Vater gewidmet. Leider weilt er schon viele Jahre nicht mehr unter uns, sein Herz konnte einfach nicht mehr. Er hatte immer versucht, uns das Leben so angenehm wie nur immer möglich zu gestalten, und dass es uns, im Gegensatz zu seiner Kindheit und Jugend, möglich war, einen Beruf zu erlernen. Was ihm leider vergönnt gewesen, hat er mir ermöglicht.

Danke lieber Vater... Dein Hans-Peter

 

Die Sonne brannte auf die Erde nieder, als hätte sie den Auftrag, diese zu verbrennen. Der Himmel zeigte sich seit vielen Wochen in tiefem, stählernem Blau. Kein Wolkchen, das für kurze Zeit bereit gewesen wäre, dieser Brennerei, wenn  wenigstens nur für einige wenige Sekunden, ein Ende zu setzen. 36° im Schatten war im Unterland täglich zu verzeichnen, selbst in der Nacht fiel das Thermometer nicht unter 25°. Auch in den Bergen war es nur ein wenig angenehmer, auf 1500 müM erreichte das Quecksilber immer noch spielend die 30° - Marke. Ein außergewöhnlich heißes Jahr .

 

Die Wiesen und Äcker waren braun verbrannt, braun waren auch Arme und Gesichter der Feldarbeiter, die in dieser Hitze ihre Arbeit verrichten mussten. Gnadenlos der Sonne ausgesetzt, von Frühmorgens bis Abends, nur zwischendurch mal eine Pause im Schatten eines Baumes. Käse, Brot und Most. Bauer, Knecht und zwei Kinder waren es, die sich da täglich abrackerten, wobei die Kinder nicht etwa eigene waren, nein, Verdingkinder waren es, die da in dieser Gluthitze ihre Arbeit verrichten mussten.

 

Hans hatte es nicht einfach, er verlor mit zehn Jahren seinen Vater. Von da an war es fertig mit seinem Kinderdasein, seine Mutter verdingte ihn zu Bauern. Im Winter zur Schule, im Sommer zu den Bauern. - Wie schön wäre es, wenn es jetzt Winter wäre -, träumte er vor sich hin, während er das verdörrte Gras mit dem Rechen, der ihn um einiges überragte, zusammenzog. Noch am gleichen Tag wo das Gras, das eh schon verdorrt war, geschnitten wurde, konnte es eingebracht werden. Auf den Winter freute er sich den ganzen Sommer über, denn da durfte er ein wenig Kind sein, mit seinen Kameraden spielen, seinen Wissensdurst stillen und den Geschichten, die der Lehrer jeweils am Samstag vorlas lauschen, vorbei die Rackerei. Vorbei bis zu dem Zeitpunkt, da das einsetzende Tauwetter langsam begann Eis und  Schnee zu schmelzen und seine Mutter ihn wieder an Bauern verdingte.

 

Durst hatte er, dabei war es erst acht Uhr am Morgen, noch eine ganze Stunde musste er ausharren, bis dann die Magd mit dem Handkarren die Brotzeit brachte. - Jetzt nur nicht schlapp machen - ging ihm durch den Kopf, denn noch allzu gut erinnerte er sich an den Herbst vor drei Jahren, als er beim Mist austragen zusammenbrach. Unbändige Schmerzen in Brust und linkem Arm. Das Herz des Buben konnte dieser Schufterei nicht standhalten, hatte gestreikt, ein Herzinfarkt im zarten Kindesalter. Wie etwas Unwirkliches saß diese Leidenszeit in ihm fest, tief in die Seele eingebrannt. Verlorene  Tage, Wochen und Monate. Kaum genesen ging’s schon wieder los, vielleicht nicht mehr mit ganz so schwere Arbeiten wie vorher, aber in dieser Hitze zu arbeiten, das war sehr schwer, auch wenn es nur ums Heu zusammen rechen ging.

 

An eine Ausbildung war nicht zu denken, denn die Schulbildung wies zu große Lücken auf, Lücken die nur durch Lebenserfahrung geschlossen werden konnten. Und so blieb es dann eben ein Leben lang. Als Kind verdingt, als Erwachsener ungebildet durch ein Leben voller Hindernisse und Verzicht,  die nur durch sein liebendes Herz gemeistert werden konnten, ein Herz, das von unmenschlicher Schufterei angeschlagen war, ein Herz, das Hans seiner Familie schenkte.

 

©  Hans-Peter  Zürcher

Vater mit seinen Brüdern und Mutter .... 

Meine Eltern....

.... und ich....

 


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