Das Tumörchen Teil 1
Manchmal überrollen mich Tage im Leben die mir nicht gefallen,
trotzdem versuche ich das Beste daraus zu machen,
so auch vor 4 Wochen.
Der Bluthochdruck bereitete mir den ganzen Tag Probleme und ein Schmerz
auf der Brust raubte mir manchmal fast den Atem.
Am Abend machte ich mich auf den Weg zu unserem Hausarzt, der mich sofort in die nächste Klinik überwies.
Bei der Aufnahme ging es hoch her, ein Krankentransport nach dem anderen, viele Notfälle, keine freien Sitzplätze und warten, warten, warten.
Endlich, nach 3 Stunden, wurde ich untersucht und gleich auf die Station gebracht, dort herrschte bereits totale Bettruhe.
Am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass ich eine sehr nette Bettnachbarin hatte, die Chemie stimmte zwischen uns, also es gab keine Langeweile und der Gesprächsstoff ging uns nicht aus.
Nun folgten tägliche Untersuchungen, denn es galt abzuklären, ob der Bluthochdruck bereits Organe geschädigt hat. Es war soweit alles okay und zum Schluss noch der Ultraschall der Nieren.
Der junge Arzt war bei der ersten Niere zufrieden und bei der zweiten wurde er plötzlich still und rief gleich den Oberarzt. Der schaute sich alles genauer an und sagte als erstes: „Frau Nettke sind sie froh dass wir bei der Routineuntersuchung bei ihnen den Tumor auf der Niere entdeckt haben, denn danach sieht es aus!“ Die Gedanken flogen hin und her und ich betete: „Lieber Gott, nicht das auch noch, aber ich vertraue dir.“
Als ich das Zimmer betrat, fragte mich gleich meine Bettnachbarin ob alles okay sei. Ich sagte mit fester Stimme und gerader Haltung: „Ich habe zwar höchstwahrscheinlich einen Tumor auf der Niere aber MIT MEINEM GOTT SPRINGE ICH ÜBER ALLE MAUERN!“
Meine Bettnachbarin war von meiner Aussage begeistert.
An diesem Abend ging ich mit meinem Ordner in das Nebenzimmer und hielt bei den alten, zerbrechlichen Omachen eine kleine Lesung, strich über manche Wange, nahm sie in die Arme und trocknete Tränen. Dabei kamen zwei Schwestern vorbei, die mit Bewunderung vor mir standen, da sie genau wussten, was ich an diesem Tag für eine Schreckensnachricht erhalten hatte.
Am nächsten Tag wurde ich entlassen, denn die Einweisung in die Urologie sollte von einem Urologen erfolgen.
Endlich konnte ich wieder meine Mutter besuchen, sie kam 3 Tage vor mir in eine andere Klinik und war sehr geschwächt, ihre Lunge war ¾ mit Wasser gefüllt.
In der folgenden Woche waren dann Termine beim Hausarzt, beim Augenarzt (wegen Augendruck) und beim Urologen, mein Mann begleitete mich dorthin.
Der Urologe wusste den Ultraschall auch nicht hundertprozentig zu deuten und er sagte zu uns: „Ich habe jetzt 10 Jahre meine Praxis und in dieser Zeit kamen 2 x gutartige Tumore vor, ob sie jetzt die dritte sind bleibt offen, es ist mit höchster Wahrscheinlichkeit bösartig!“
Helle Aufregung in der Familie, bei den Freunden im Bekanntenkreis.
Eine große Gebetsmacht wurde eingesetzt und jeder war sehr, sehr besorgt.
Meiner Mutter brachte ich diese Nachricht und es traf sie schwer. Sie hatte im Sommer eine Krebsoperation und zwei Tage zuvor erfuhr sie, dass die Krankheit an anderen Stellen des Körpers ausgebrochen ist.
Schweren Herzens verabschiedete ich mich von ihr und jeder wusste, dass es vielleicht unser letztes Wiedersehen war. Inzwischen wog sie noch 44 kg und sie besprach mit meinem Bruder die Einzelheiten der Beerdigung.
Der Tag meines zweiten Klinikaufenthalts rückte näher.
Das Tumörchen Teil 2
Am 7. Dezember musste ich früh in der Klinik erscheinen.
Ich war zwar beunruhigt, aber meine innere Stimme sagte mir: „Es wird alles gut!“
Eine Schwester, die scheinbar nicht ausgeschlafen hatte, empfing mich unfreundlich.
Zunächst hatte ich eine ältere Dame und ein junges Mädchen von 22 Jahren als Mitpatientin in meinem Zimmer, sie waren sehr nett.
Der Tag war ganz auf die Vorbereitungen der Operation eingestellt, d.h. es galt manche Fragebögen zu beantworten, manche Jahreszahlen kramte ich aus meinem Gedächtnis und sagte zu dem Assistenzarzt oder dem Narkosearzt: „Es ist mein 15. Klinikaufenthalt und ich habe schon etwas Erfahrung, was so alles auf mich zukommt!“
Im Laufe des Tages musste ich nochmals zum Ultraschall ins Arztzimmer und bei der Untersuchung wies ich erneut auf ein Vorkommnis hin: In den Entlassungspapieren haben die Ärzte manchmal linke und rechte Niere verwechselt, auch der Urologe war sehr unsicher. Energisch sagte ich: „Wehe wenn ihr mir die verkehrte Niere entfernt, da wusste mancher nicht wo links und rechts ist!“ Der Oberarzt, der mich später operierte, lächelte, beruhigte mich und zeigte mir mein CT auf dem Bildschirm „Schauen sie, Frau Nettke, hier ist ihre Leber und hier ihre rechte Niere und da oben drauf sitzt ein kleines Tumörchen. (er prägte dieses Wort ;-) Es kann auch eine Zyste sein die mit Blut gefüllt ist, das weiß man nicht genau!“
Diese Aussage hatte mich sehr beruhigt und ich dachte bei mir: “Da ist noch einer über mir, der ein besonderes Interesse an mir hat.“ Dieses Vertrauen hat nicht jeder Mensch!
Es wurde eine kurze Nacht. Morgens um 7:00 Uhr bekam ich meine Gummistrümpfe und mein weißes Hemdchen und die Anweisung, wann ich meine Beruhigungstablette zu nehmen hätte, keine Aufmunterung, kein Lächeln – das Personal war überlastet.
Ich war die zweite OP an diesem Morgen. Kurz vor 9:00 Uhr kam die Nachricht: „Halten sie sich bereitet, sie werden gleich geholt!“
Zufällig war danach Ruhe im Zimmer. Ich war alleine und stellte mich ans Fenster.
Am Himmel wurde wunderschönes Morgenrot sichtbar. Ich suchte die Verbindung zu meinem Gott. Einzelne dunkle Wolken waren zu sehen. Plötzlich zeigten sich wohltuende Sonnenstrahlen, die zwischen den Wolken hervorlugten. Es kam mir vor wie Streicheleinheiten Gottes. Ich war sehr bewegt und nun fing ich an zu singen „Der Herr ist mein Licht und ist mein Heil, was fürcht’ ich noch. Der Herr ist die Kraft meines Lebens allein, auf ihn allein verlass’ ich mich….“ Mit fester Stimme und voller Vertrauen stimmte ich noch einige Lieder an und bemerkte nicht, dass eine Schwester in der Tür stand. Sie war sprachlos und sagte: „Das habe ich noch nie erlebt!“
Nun kam ich in den Operationsraum. Zwei Ärzte erklärten die mir nicht bekannte Methode einer Rückenmarknarkose. Es war ziemlich unangenehm. Die Ärzte sagte nur; „Tapfere Frau Nettke!“ Meine letzten Worte waren, „Es sind hunderte Gebetshände erhoben!“
Nach der Operation war ich noch nicht ganz bei mir, da hörte ich vom Arzt die frohe Botschaft: „Frau Nettke, es war nur eine kleine Zyste!“ Ich habe mich wie auf Wolken gefühlt und schickte gleich ein Dankgebet zum Throne Gottes.
Nun sollte ich 24 Stunden auf der Wachstation bleiben. Ich habe dort keine angenehmen Stunden verbracht. Mein Blutdruck fiel oft auf 70 runter. Jedes Mal surrte es an den Apparaten. „Frau Nettke, geht es ihnen gut?“ So fragte mich alle halbe Stunde der Pfleger „Ja ich bin zufrieden!“
Neben mir lag ein älterer Mann, der in der Nacht sämtlichen Schwestern seine Lebensgeschichte erzählte. Wenn niemand da war, sprach er mit sich selbst.
Aus den anderen Zimmern hörte ich eine ältere Frau die ganze Nacht rufen: „Lieber Gott, hilf mir….unser Vater in dem Himmel, dein Reich komme..!“ Das wiederholte sich wohl hundert Mal. Ich dachte bei mir: Viele Menschen fragen nur in Notsituationen nach Gott, ansonsten wird er oft vergessen.
Aus einer anderen Richtung, von der Stimme her wohl ein älterer Mann, hörte ich oft: „Mama!“ Es war herzzerreißend. Und ich wollte doch schlafen, schlafen, aber dazu sollte ich in den nächsten Tagen nicht kommen.
Samstagnachmittag kam ich wieder auf die normale Station. Dank guter Schmerzinfusionen hatte ich kaum Probleme. Ab Dienstag gab man mir 12 Schmerztabletten und ich wurde von der Infusion und dem Katheter befreit.
Antibiotika bekam ich reichlich und meine Darmflora ließ zu wünschen übrig, wobei sich die Nebenwirkungen von Tag zu Tag steigerten.
Inzwischen war eine andere Besetzung in meinem Zimmer. An einem Abend ging die Tür auf und eine Freundin unserer Familie wurde genau ins Nebenbett eingeliefert. Sie hatte eine akute Entzündung im Blasen- / Nierenbereich. In dieser Nacht waren meine Schmerzen vergessen. Wir redeten und lachten sogar leise miteinander. Nur einen Tag später wurde sie von unserem 3-Bettzimmer in ein 2-Bettzimmer verlegt. Sie sagte noch „Hier halte ich es vom Lärm her nicht aus!“ Ich habe sie öfters besucht und bekam auch Besuch von ihrer Familie.
Am nächsten Tag kam mein Mann mit der freudigen Botschaft, dass ein Gedicht von mir in der Ausgabe 12 in der Zeitschrift ‚Kurzgeschichten’ erschienen ist. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut. Ich hatte an einem Wettbewerb teilgenommen.
Der Text dieses Gedichtes lautet:
Täglicher Wunsch
Wolkenleicht auf Sonnenstrahlen schweben,
im prachtvollen Blumenfeld leben,
am Nachthimmel Sternschnuppen sehen,
auf lichtvollen Pfaden gehen,
Glücksmomente im Herzen bewahren,
Zärtlichkeitsstunden der Liebe erfahren.
Eine ältere Dame aus Armenien lag nun bei mir im Zimmer. Ich musste mir oft das Wort ‚Nächstenliebe“ laut vorsagen. Jede Nacht polterte sie oft auf die Toilette. Nachts um 2 Uhr wusch sie ihre Socken. In den restlichen Stunden sägte sie sämtliche Urwälder der Erde ab. Das war so laut, das man es bis in den Nebenzimmern und auf dem Flur hörte.
Sie war diejenige, die mich bei meiner Entlassung mit vielen Küsschen bedeckte und weinte.
Ich hatte immer wieder die Geduld mit ihr. Wenn sie starke Schmerzen hatte, nahm ich sie in die Arme, faltete ihre Hände und zeigte nach oben, eine Aufforderung zum Gebet (sie sprach ganz wenig Deutsch)
Inzwischen hatte ich nur noch Durchfall und starke Bauchkrämpfe. Ich ließ mir Tropfen geben. Leider haben sie wenig geholfen.
Einen Tag vor der Entlassung bekam ich starke Kreislauf-Probleme. Ich schaffte es gerade noch von der Toilette bis zu meinem Bett. Ich war kurz vor einem Kollaps und konnte fast zwei Stunden nicht mehr richtig reden und sehen, bis endlich um 1:30 Uhr der Arzt kam. Ziemlich ratlos stand er vor meinem Bett, ließ die Schultern hängen und wusste nicht, was er machen sollte. Am liebsten hätte ich gesagt: „Lieber Bub, du hast doch Medizin studiert!“
Er fragte mich wie ich zu Hause mit dem Problem umgehe und ich sagte: „Wasser, Wasser und nochmals Wasser.“ Er setzte mir eine Nadel. Ich bekam eine große Infusion. Dann wurde es endlich besser.
Am Morgen hatte ich leichtes Fieber. Nur mit Vorbehalt haben sie meine Entlassungspapiere fertig gemacht. Ich hatte nur den Wunsch zu schlafen und nochmals zu schlafen, und das zu Hause in meinem eigenen Bett und in völliger Ruhe.
Am gleichen Tag wurde meine Mutter vom Krankenhaus ins Altenpflegeheim verlegt. Sie ist sehr schwach. Die Schwestern geben sich jedoch sehr viel Mühe sie aufzubauen.
An Heiligabend werde ich sie wieder besuchen können.
Wieder habe ich eine Hürde des Lebens geschafft. Große Dankbarkeit durchzieht mein Herz. Ich bin um manche Erfahrung reicher. Nun kann ich die Menschen verstehen, die ähnliche Hiobsbotschaften erhalten. „Dein Wille geschehe!“ Das sagt sich so leicht!
Es geht jeden Tag aufwärts. Freudig schaue ich in die Zukunft.
Beruhigende Gespräche im Krankenhausbett
Wieder einmal war bei mir eine Operation in einem Krankenhaus nötig, danach fühlte ich mich relativ fit.
Da ich in der Klinik bekannt war, konnte ich die Bitte der Schwester erfüllen und mich auf die Krebsstation verlegen lassen, die Frauenklinik war überfüllt.
Im Zimmer bereiteten sie mich innerlich darauf vor, dass in Kürze eine junge Krebspatientin zu mir komme, die nervlich überfordert sei. "Trauen sie sich das zu?" "Na klar, mit Gottes Hilfe werde ich das schaffen!"
Von weitem hörte jeder auf dem Flur lautes Schluchzen. In der Tür stand eine bildhübsche junge Frau mit langen, dunklen Haaren. Sie schaute mich mit großen, traurigen Augen an. Beate erzählte mir in den folgenden Stunden ihre Leidensgeschichte, die sehr plötzlich über sie hereingebrochen war. Sie hatte eine besonders seltene, agressive Krebsform. Ein neues Leben sollte sich entwickeln, die Zellen teilten sich, aber sie wurden bösartig. Beate hatte die ersten Chemotherapien bereits hinter. Ihre Haare fielen büschelweise aus. Ihr Mann, der sich zu der Zeit in einer wichtigen Prüfung befand, konnte sie auch nicht beruhigen.
In den Abendstunden - auf der Station begann bereits die Nachtruhe - kroch ich zu ihr ins Bett um ihre Tränen zu trocknen. In meinen Armen und mit vielen Streicheleinheiten erzählte sie mir ihr ganzes Leben, Dinge über sie vorher noch mit niemand geredet hatte. Immer wieder fing sie an zu weinen. Da nahm ich ihre Hände und legte sie in meine Hände und fing an zu beten. Ich legte alle ihre Sorgen und Nöte in Gottes Hand und schickte sie innig zum himmlischen Thron. "Es hat noch nie jemand mit mir gebetet", flüsterte sie.
Langsam wurde sie ruhiger. Ab und zu betastete sie mich und fragte: "Bist du ein Engel oder ein Mensch?" "Nein Beate, ich bin nur eine mitfühlende Frau, die dich im Herzen trägt!"
Die Schwester fragte mich am nächsten Morgen nach meinem 'Rezept'. Ich entgegnete ihr: "Ein inniges Gebet bewirkt Wunder!" Das Personal wollte mich bei meiner Entlassung am liebsten in der Klinik behalten.
Einige Monate später verstarb Beate.
"Liebes Mädchen, ich werde dich nie vergessen! Eines Tages werden wir uns an der Himmelspforte begegnen. Da bin ich mir ganz sicher!"
Weihnachtsfeier mit unseren Freunden aus Afrika
Seit unserer Begegnung mit unseren Freunden aus Afrika sind einige Jahre ins Land gezogen, in Dankbarkeit denke ich an diese Zeit zurück.
Bei der Apfelernte lernten wir Charly (damals 28 Jahre) aus Accra kennen, er bot uns seine Hilfe an und wir standen ab diesem Zeitpunkt in einem fast täglichen Kontakt. Kurze Zeit später lernten stellte er uns seine Cousine Nana und seinen Freund Marco vor, sie kamen ebenso aus der Hauptstadt Ghanas. Insgesamt wohnten 8 junge Leute in dem Asylantenhaus und wir waren für sie 5 Jahre die Ersatzeltern, also Mama Afrika, so nannten sie mich und mein Mann war der Papa.
Zu der Zeit lebten noch unsere drei Kinder zu Hause und es war für uns ein gutes Experiment um unser Schulenglisch aufzubessern. Wir lernten die dortige Kultur kennen und wir sind in der Zeit sehr eng zusammen gewachsen.
Die meisten der jungen Leute waren politisch Verfolgte und lebten erst einige Monate in Deutschland, dadurch gab es noch Schwierigkeiten mit unserer Sprache.
Nun nahte die Weihnachtszeit und ich versprach allen ein typisches deutsches Fest zu organisieren. Alle waren da, unsere Familie mit fünf Personen, die Freundin und der Freund meiner Kinder, meine Eltern, die Schwiegermama und natürlich Charly, Nana und Marco.
In ihren Festtagsgewändern saßen sie freudestrahlend auf unserer Couch und die Familie bestaunte sie. Meine Mutter wurde neugierig und wollte wissen was sich bei Charly unter dem goldbestickten Gewand befand. Ich nahm sie an die Seite und erinnerte an die andere Kultur, es gab dabei großes Gelächter.
Trotz beengtem Wohnzimmer hatten wir einen schönen großen Weihnachtsbaum mit echten Kerzen. Das Weihnachtsmenü (Kassler, Putenschenkel, Klöße, Rotkraut, Vorsuppe und Nachspeise) hatten wir Frauen beim Vorbereiten etwas aufgeteilt. Feierlich saßen wir an einer Tafel und speisten miteinander. Manches war für die Freunde fremd und Charly schüttelte sich nach dem Verzehr des Rotkrauts und meinte: "Mama das ist ja süß, nein, das kann ich nicht essen!"
Mein Vater verbrachte die Kriegsgefangenschaft in Ägypten und sein Englisch war noch sehr gut im Gedächtnis haften geblieben. Nana und er saßen nebeneinander und hatten ihren Spaß beim Erzählen. Später stimmten wir englische Weihnachtslieder an und die afrikanische Seele spannte ihre Flügel und verzauberte die Umgebung.
Einige Wochen danach wurde ich von Nachbarn auf der Straße angesprochen und sie erzählten mir bewegt, sie hätten unter unserem Fenster gestanden und andächtig gelauscht. Seit unseren Kontakten aus der damaligen Zeit heißt es bei uns in der Wohngegend, 'das schwarz/weiße Haus!"
Wir haben in der folgenden Zeit manches miteinander erlebt und auch gefeiert, es verging fast kein Tag ohne irgendwelche Begegnungen.
Nach dem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest bekam ich zu Herzen gehende Dankesbriefe von den Eltern unserer Freunde. Wochen zuvor verschickte ich Weihnachtsgrüße nach Ghana und ihre Kinder hatten telefonisch von unserem Zusammensein erzählt.
Für uns war das alles selbstverständlich und wir sind froh, dass unsere Kinder von solchem Schicksal verschont bleiben.
Gerne erinnern wir uns an alle an diese schöne Zeit und der Segen Gottes möge sie auf ihrem Lebensweg begleiten.
P.S. Nana ist mit einem deutschen Mann verheiratet und hat zwei süße Kinder. Die anderen jungen Leute mussten wieder nach Ghana zurück und Isaak (mit ihm hatten wir den engsten Kontakt, anfangs war er uns gegenüber etwas skeptisch, aber das legte sich schnell) lebt in der USA.
Begegnung an der Schlei
An einem strahlenden Sonnentag im Urlaub 2007 verbrachten wir einige Stunden an der Schlei.
Nach einer Dampferfahrt schlenderten wir am Ufer bei Arnis, der kleinsten Stadt Deutschlands, dort war ein Schwanenpaar zu sehen. Zwei Damen standen bereits an der Stelle, die eine fütterte eifrig die Schwäne und die andere fing dabei schöne Momentaufnahmen ein.
Wir beobachteten sie lächelnd und ich fragte die Dame:" Ist die Fotografie ihr Hobby?"
Es entwickelte sich ein schönes Gespräch und ich erzählte von meinen Gedichten und dass ich immer wieder Gelegenheiten für schöne Fotomotive suche.
Plötzlich sprach sie ihre Freundin mit 'Herta' an und ich sagte spontan "ja!" Daraufhin startete manches Gelächter, denn wir hatten nicht nur den gleichen Vornamen, sondern auch gemeinsame Hobbys.
Ich erzählte von dem Autorenforum e-stories und legte ihnen ans Herz, zu Hause zu schnuppern. Tatsächlich, kurz nach dem Urlaub bekam ich eine Mail.
Auszüge:
Elfchengrüße
Könnte
das die
Möwe Emma von
Arnis an der Schlei
sein?
Oder
waren es
nicht zwei Schwäne
bei drei 'schnatternden" Frauen?
-Schleiuferaugustzufallstreffenlachmuskeltraining -
Die Freude war groß und in den folgenden Wochen gingen die Mails hin und her. Meine Gedichte las sie gerne bei Freunden oder sonstigen Gelegenheiten vor.
Einige Wochen hörten wir nichts voneinander und ich dachte noch, entweder ist sie krank oder im Weihnachtsstress.
Am Morgen des 24. Dezember klingelte bei uns das Telefon und Herta rief mich von einer Klinik an. Wir haben das erste Mal seit unserer Begegnung telefoniert und wir waren uns so vertraut, die liebe Verbundenheit war in jedem Satz zu spüren.
Sie schrieb vor kurzem:
Ich mache eine Reise zu meiner Freundin nach Norddeutschland, sie zeigt mir ihre Heimat, fährt mit mir nach Arnis an der Schlei, in meinem Rucksack befindet sich eine Stange Toastbrot für Möwen, Enten, Schwäne....wir besichtigen die Schifferkirche, gehen dann zum Ufer der Schlei, sehen 2 Schwäne und füttern.....wir genießen die Sonne, das Wasser, die Tiere und freuen uns über die Zeit, die wir gemeinsam verbringen können.
Ein unsichtbarer "Geist" lässt auch das Ehepaar Nettke zu der gleichen Zeit an der gleichen Stelle sein....Wir kommen miteinander ins Gespräch, lachen miteinander und spüren eine gewisse Seelenverwandtschaft. Und schon ist es passiert.........
Manche Begegnungen des Lebens hinterlassen Spuren die allmählich verwischen, doch diese Spur wird nicht vom Staub des Alltags verdeckt, da bin ich mir ganz sicher.
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