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Hier einige Zeilen aus meinem Roman, aus der Zeit, als ich acht Jahre alt war:



 

Begeistert griff ich nach dem Schl├╝ssel und zog die Wohnungst├╝r hinter mir zu und folgte Harry in seine Wohnung. Was dann geschah, war ein Alptraum. Ich war gerade im Wohnzimmer und blickte mich suchend um, als Harry pl├Âtzlich die Zimmert├╝r verschloss. Eilig zog er die Gardinen vor das Fenster, wobei er mich so seltsam ansah, dass ich instinktiv zur├╝ckwich. Er versuchte zu l├Ącheln, ein unheimliches, verzerrtes L├Ącheln, wie die Masken auf dem Plakat an der Litfasss├Ąule. Seine H├Ąnde waren feucht, als er mich an den gro├čen Holztisch dr├Ąngte, auf dem zwischen Brotkr├╝meln und ausgedr├╝ckten Teebeuteln zerkn├╝llte Einkaufst├╝ten herumlagen.Gleich daneben, auf einem Sessel ein Stapel bunter Illus  mit Fotos von nackten Frauen. Er griff nach einer der T├╝ten und dr├╝ckte mir einen Filzstift in die Hand. Sei ganz brav, dann werde ich Dir auch nicht weh tun r├Âchelte er mir ins Ohr. Erschrocken drehte ich mich herum und sah in das verzerrte Gesicht eines Fremden, der dr├Ąngend den Finger auf die Lippen legte. Unf├Ąhig, einen Laut von mir zu geben, starrte ich auf die verschlossene Zimmert├╝r. Der Schl├╝ssel steckte im Schloss, ganz nah und doch unerreichbar. Seine H├Ąnde umklammerten mich, schoben sich zwischen meine Schenkel, bis ich vor Angst wimmerte.

Psst...halt die Klappe! Los male! zischte er mich an. Wie erstarrt stand ich da und lies seine Ber├╝hrungen ├╝ber mich ergehen, h├Ârte seinen schweren Atem und die seltsamen Laute, die er dabei ausstie├č. Dreh Dich nicht um! Los male! keuchte er. Ich starrte auf den Stift in meiner verkrampften Hand, unf├Ąhig meinen Arm zu bewegen. Die Bettdecke glitt auf den Fu├čboden, vollgepisst mit gelbbraunen Flecken und stinkend. Der Mann hinter mir knurrte wie ein verletztes Tier. Ich sp├╝rte seine nassen H├Ąnde, die gierig ├╝ber meinen K├Ârper glitten, minutenlang, stundenlang. Ich hatte kein Zeitgef├╝hl, und als er endlich von mir ablie├č, konnte ich mich immer noch nicht r├╝hren. Das bleibt unser kleines Geheimnis fl├╝sterte er, w├Ąhrend er mir die Kleidung ├╝berzog. Stumm sah ich in sein schwei├čgebadetes Gesicht und f├╝hlte eine Mischung aus Angst und Scham. H├Ârst Du Jeniffer! Von dieser Geschichte darf niemand etwas wissen, wirklich niemand! Deine Mutter w├Ąre sehr traurig, wenn sie w├╝sste, was Du hier mit mir gemacht hast. Sie w├╝rde diese Schande niemals verkraften. H├Ârst Du, Jeniffer?! vernahm ich seine knarrende Stimme.

Denk immer daran, was ich Dir gesagt habe, sagte er und schob mich aus der Wohnung.

 

Die Wochen vergingen, und die Angst folgte mir wie ein Schatten. Immer, wenn ich allein durch das Treppenhaus musste, sp├╝rte ich die Panik, die mich schneller einholte, als ich laufen konnte. Bevor ich Abends schlafen ging, sah ich unter mein Bett, hinter die Gardinen, in den Schrank. Unter meiner Decke zusammengekauert, starrte ich in das dunkle Zimmer, horchte auf das Pochen in meinen Ohren, das sich nur langsam beruhigte. Wenn ich mit anderen zusammen war, f├╝hlte ich mich bedr├Ąngt, war ich allein, hatte ich undefinierbare ├ängste. Am Tage f├╝hlte ich mich ersch├Âpft und nachts, w├Ąhrend ich schlief, wurde ich von riesigen Tieren gejagt. Die Sonntage hatten etwas Beruhigendes. An diesen schulfreien Tagen brauchte ich die Wohnung nicht zu verlassen. In unserer Stra├če gab es eine Kirche, und manchmal, wenn die Glocken l├Ąuteten, sah ich in den Park hinaus, in dem ich fr├╝her mit meinen Freundinnen verstecken gespielt hatte. Das Spielen zwischen den B├╝schen und Str├Ąuchern machte mir angst, und ich erfand jedes Mal andere Ausreden, warum ich keine Lust dazu hatte. Eine Weile stand ich so da und sah den vorbeiziehenden Wolken nach, die langsam am Himmel dahinzogen, unentwegt ihre Form ver├Ąndernd. Meine Eltern waren evangelisch, geh├Ârten aber keiner Kirchengemeinde an. Mutter meinte, sie k├Ânne auch so ihren Glauben haben, ohne Kirchensteuer daf├╝r zahlen zu m├╝ssen. Dennoch reagierte sie auf religi├Âse Themen ausweichend, so, als w├Ąre der Glaube eine Art Meinungsumfrage, deren Ergebnis sie sich anzupassen suchte. Bisher hatte ich mich mit Fragen ├╝ber Gott und die Welt nicht besch├Ąftigt. Ich wusste nur, dass er im Himmel wohnt und alles sah, sogar wenn jemand seine Suppe nicht a├č und sein Schulbrot, anstatt es zu essen, in den Briefkasten stopfte. Aber nun hatte ich Angst, entsetzliche Angst, und die Vorstellung von einem

Lieben Gott, der sch├╝tzend die H├Ąnde ├╝ber mich und meine Familie hielt, beruhigte mich sehr. Das Schweigen war zu einer Last geworden, die zentnerschwer auf meine Seele dr├╝ckte und mich kaum atmen lie├č. Aber die Scham ├╝ber das, was geschehen war, und diese bleierne Angst davor, meine Mutter zu verlieren, waren wie ein unsichtbarer Knebel, der das Weinen in meinem Inneren unterdr├╝ckte. Immer wenn die Angst so stark wurde, dass ich nicht mehr ein noch aus wusste, redete ich in Gedanken zu Gott. In meiner Phantasie schuf ich mir einen imagin├Ąren Ort, an dem ich mich sicher f├╝hlen konnte.

 

Ersch├Âpft lehnte ich mich in die Couchkissen. Vater war zum Abendessen nach Hause gekommen und war danach gleich wieder losgefahren. Mutter sa├č, wie jeden Abend, im Wohnzimmer vor dem Fernseher und sah sich irgendeinen Film an. Ich h├Ârte, wie sie leise vor sich hinschimpfte, weil Tina und ihre Freundin Rebecca in der K├╝che laut herumkicherten. Aus irgendeinem Grund konnte sie Tinas lautes Lachen nicht ausstehen und lie├č sie das auch bei jeder Gelegenheit sp├╝ren. Die Klingel schrillte wie ein irrer Schrei durch den dunklen Flur. Ich zuckte zusammen unter dem grellen Ger├Ąusch, das wie verr├╝ckt in meinen Ohren pochte. Mutter unterhielt sich mit der Nachbarin, nur f├╝r einen Moment, dann schlo├č sie die T├╝r und ging mit raschen Schritten ins Zimmer zur├╝ck. Drau├čen war es dunkel. Das gelbe Licht der Stubenlampe f├Ąrbte den Raum in einen dr├╝ckend schummrigen Bereich, vor dessen Hintergrund sich Angst und Verwirrung mischten und zur Panik steigerten. Tina und Rebecca kamen ins Zimmer gelaufen. Sie stellte ihren Recorder auf den Tisch, stie├č dabei versehentlich gegen die Cassetten, die laut scheppernd auf dem Fu├čboden landeten. Die M├Ądchen unterhielten sich. Ich h├Ârte ihr Stimmengewirr, ohne zu verstehen, und sah ihre Gesichter wie hinter einer dicken Glaswand. Ein banges Gef├╝hl dr├╝ckte mir die Kehle zu, bis meine Gedanken zu schwirren begannen und ich hechelnd nach Luft rang. Wie in Zeitlupe bewegte Tina sich auf mich zu, fasste mich an den Schultern, um mich aufzusetzen, wobei sie aufgeregt nach Mutter rief. Etwas, das sich anf├╝hlte wie eine st├Ąhlerne Korsage, presste mir die Rippen zusammen. Von Panik ergriffen, taumelte ich zu Mutter, die immer noch strickend vor dem Fernseher sa├č und meinen Zustand nicht zu bemerken schien. Zitternd dr├╝ckte ich mich an sie, presste mit stockender Stimme hervor, was niemand wissen sollte, zuerst nur brockenweise, doch dann sprudelten die Worte nur so aus mir heraus. Mein K├Ârper vibrierte wie im Fieberwahn, wehrte sich gegen diese auferlegte B├╝rde bis sie unter dem unertr├Ąglichen Druck zerbarst. Ich schnappte nach Luft, konnte endlich wieder atmen. Mutter hatte mir anscheinend nicht zugeh├Ârt, denn sie zeigte keinerlei Reaktion, doch pl├Âtzlich erstarrte ihr Gesicht. Mit krampfhaft verschr├Ąnkten Armen, so, als f├╝rchte sie sich vor meiner Ber├╝hrung, wich sie zur├╝ck. Ihr Blick, ihre ganze K├Ârperhaltung dr├╝ckten nur noch Abscheu und Entsetzen aus. Noch nie zuvor hatte ich soviel K├Ąlte und Abneigung in ihren Augen gesehen. V├Âllig verwirrt versuchte ich ihren eisigen Blicken auszuweichen. W├╝tend war sie aufgesprungen und fuchtelte mit ihren angespannten H├Ąnden vor meinem Gesicht herum, so als k├Ânne sie sich nur mit allergr├Â├čter M├╝he beherrschen, nicht zuzuschlagen. Ich starrte auf das bunte Blumenmuster ihres Kittels, das im Rhythmus ihrer zuckenden Bewegungen vor mir hin und her h├╝pfte. Obwohl sie tobte und schrie, f├╝hlte ich grenzenlose Erleichterung. Befreit von der Last, aber immer noch schlotternd vor Aufregung, schnappte ich nach Luft. Mit wutverzerrten Gesicht schrie Mutter, ich h├Ątte diesem Kerl nicht in die Wohnung folgen sollen, h├Ątte wegrennen oder wenigstens um Hilfe rufen sollen, aber ich hatte nichts dergleichen getan. Alles erschien mir pl├Âtzlich so unwirklich. Ihr Gesicht war das einer Fremden, als h├Ątte sie ein Maske fallen lassen, und das, was dahinter zum Vorschein kam, war eisige K├Ąlte.

Du bist doch nicht mehr normal!

Warum schreist Du mit Jeniffer herum? Dieses Schwein hat sie angefasst und Du gibst ihr die Schuld?! Wie soll ich das denn verstehen?! Tina stand pl├Âtzlich im Zimmer. Vielleicht hatte sie auch schon die ganze Zeit dort gestanden, und ich hatte sie blo├č nicht bemerkt. Mit weitge├Âffneten Augen starrte sie Mutter an.

Jeniffer ist acht Jahre! Wer wei├č, was dieses Schwein getan h├Ątte, wenn sie um Hilfe gerufen h├Ątte!

Du h├Ąltst Dich gef├Ąlligst da heraus! Dieses Schwein hat sie befummelt, und sie sagt keinen Ton! Es hat Dir wohl noch Spa├č gemacht?! Ich schluckte und versuchte die Tr├Ąnen zu unterdr├╝cken, um ihre Wut nicht noch mehr zu provozieren. Das eine sage ich dir, du erz├Ąhlst niemanden etwas davon, auch nicht deinen Vater. Hast Du geh├Ârt Jennifer?! Was sollen denn die Leute von uns denken?!

Jetzt erst verstand ich, was Harry damit gemeint hatte:

Deine Mutter w├╝rde das nicht verkraften. Die Wahrheit passte nicht in ihr Vorstellungsbild von Moral, und in ihrer blinden Wut dar├╝ber hatte sie sich von mir abgewendet. Sie fragte nicht, was ich f├╝hlte, nicht nach meinen ├ängsten, nur danach, was die Leute ├╝ber uns denken k├Ânnten. Ich f├╝hlte die Tr├Ąnen auf meinem Gesicht. Unf├Ąhig, an ihrer Wahrheit zu zweifeln, f├╝hlte ich mich entsetzlich hilflos und schmutzig. Ich sch├Ąmte mich f├╝r das, was geschehen war. Ihre Vorw├╝rfe, die wie ein Platzregen niederprasselten, waren mehr, als ich ertragen konnte. Ich sp├╝rte, wie sich ihr Gesicht von mir entfernte, meilenweit und unerreichbar, bis ihre Worte mich nicht mehr ber├╝hrten.

 



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