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GedankenVoll von annaanja      

 
 
        
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KultReis Seite 6

Weihnachten – Fest der Sehnsucht

Es roch so weihnachtlich. Irgendwie wirkte das Zimmer so geheimnisvoll leer und doch so angefüllt mit spürbaren Sehnsüchten.

Im Kamin knisterte ein Feuer. Über ihm baumelten die unzähligen Weihnachtsgrüße, die viele liebe Freunde von nah und fern geschickt hatten, an einer Wäscheleine.

Kerzen brannten flackernd und schimmernd, schimmerten und flimmerten vom alten Adventskranz, von den Engeln auf der Fensterbank, von den Sternen auf dem Schrank. Und der Weihnachtsbaum mit den elektrischen Kerzen, damit die Katzen keinen Unsinn anstellten und das Haus in Brand steckten, leuchtete mit sich selbst um die Wette.

Die alte Krippe mit den vielen kleinen Krippenfiguren, mit den Bauern auf dem Feld, den Engeln, den Heiligen drei Königen mit all den Tieren, den Schafen und Kamelen, die alle auf dem Weg zum Krippenhaus waren, erforderte nicht nur einen Blick. Im Schein der kleinen roten Stalllaterne knieten Maria und Josef neben dem Jesuskind.

Auf dem Tisch lagen ein paar kleine Päckchen, liebevoll verpackte Geschenke. Für wen sie waren, konnte man nicht erkennen. Was sie enthielten, war unter buntem Papier und dicken Schleifen verborgen.

Eine Glocke erklang, ganz hell und leise, heimelig und voller Erinnerung. Und irgendwo sang ein Kinderchor aus voller Seele „Ihr Kinderlein kommet…“

Die Stimmen verklangen.

„Und nun lese ich euch die Weihnachtsgeschichte vor – so wie es schon meine Ma-ma getan hat, wie es meine Oma einst tat und vor ihr meine Uroma…“

Es schien, als spitzen sich unendlich viele Ohren, als herrschte atem-lose Stille, als sie zu lesen begann mit zitternder Stimme, die zusehends fester wurde, je länger sie las. Und am Ende sang wieder der Kinderchor „Süßer die Glocken nie klingen…“

Als die Kinderstimmen schwiegen, war es so still in dem Weihnachtszimmer, dass es fast wehtat. Und es dauerte eine Weile, bis sie wieder sprach.

„Ich war noch ein Kind, als ich erfuhr, dass es keinen Weihnachtsmann, kein Christ-kind gab. Ich war sehr traurig. Und doch war ich froh, wenn wir unter dem schönen Weihnachtsbaum saßen, wir alle, meine Mama, mein Vater, meine Großeltern, die ganze Familie, und ich habe mir geschworen, dass wir es niemals anders machen wollten, auch wenn ich einmal Oma wäre – so wie heute.“

Wieder verstummte sie, um dann mit dem Kinderchor zu singen „Stille Nacht, Heilige Nacht…“

Es klang nicht schön, es klang wie zerbrochenes Glas.

Als die Stille im Zimmer wieder schier übermächtig wurde, sagte sie: „Ich wünsche euch ein wunderschönes und unvergessliches Weihnachtsfest. Was auch geschieht, meine Gedanken werden euch immer begleiten.“

Sie streichelte über die Fotos, die vor ihr lagen, das ihres Großvaters, das ihrer Mutter – sie waren schon lange tot –, die Fotos ihrer Enkel…

Dann stand sie auf, löschte die Kerzen und räumte die kleinen Päckchen zusammen. Sie legte sie in eine Schublade und verließ das immer noch weihnachtlich wirkende Zimmer, das auf einmal so geheimnislos leer wirkte.

„Vielleicht nächstes Jahr“, sagte sie und schloss die Tür.


Maremio 04.12.07

 

KultReis

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