Zu Beginn

Was ist Wohnungshaltung?                     Ein Wellensittich ist ein Papagei                     Gibt es spezielle Themen und Probleme der Wohnungshaltung?                     Warum "Haltungssystem?"

Was ist Wohnungshaltung?


Der Begriff scheint selbsterklärend: Wohnungshaltung ist die Haltung von Papageien in der Wohnung oder im Wohnhaus. Es lassen sich dabei aber verschiedene Formen in unterschiedlichen Ausprägungen finden:

  •  die Vogelzimmerhaltung 

Hier steht den Vögeln ein eigener Raum zur Verfügung, ein Raum, der ausschließlich der Haltung der Vögel vorbehalten ist und in dem sie ohne Käfig und Voliere leben. Dieser Raum ist mit Sitz- und Schlafgelegenheiten, mit Futter- und Trinkplätzen, Beshäftigungsmögichkeiten und eventuell Nistgelegenheiten ausgestattet.



Mein jetziges Vogelzimmer

  • die Wohnzimmerhaltung

Hier befinden sich die Vögel in Käfig oder Zimmervoliere in einem primär vom Menschen genutzten Raum, im Regelfall das Wohnzimmer, aber auch andere Räume noch ungeeignetere Räume sind denkbar.


Mein früheres Vogel"wohn"-zimmer

  • und die Mischformen und Übergänge zur Aussenvolierenhaltung

Da finden sich die verschiedensten Möglichkeiten:

  • Einige Halter verfügen über ein Vogelzimmer, dass unmittelbar an eine Aussenvoliere anschließt;

  • oder über einen Wintergarten, in dem Käfige oder (große) Volieren aufgestellt sind;
  • andere haben zumindest eine Gartenvoliere, in die die meist zahmen Papageien wenigstens im Sommer stundenweise an die frische Luft kommen;



Meine kleine Gartenvoliere für die Graupapageien

  • wieder andere haben zwar ein speziell für die Haltung von Vögeln hergerichteten Raum, die Vögel selber leben in diesem aber in Volieren, da ein gemeinsamer Freiflug der Tiere nicht möglich oder nicht gewünscht ist;

  • schließlich haben manche einen Teil ihres eigenen Lebensraumes, das Wohnzimmer, so hergerichtet, dass den Vögeln dort dauerhafter Freiflug möglich ist, nutzen den Raum aber weiterhin auch als Wohnzimmer, wie es bei mir jahrelang der Fall war:


Bücher statt Papageien hinter Gittern

 
Die Übergänge zwischen den einzelnen  Haltungsystemen sind fließend. Als Kennzeichen für die Wohnungshaltung dienen hier vor allem zwei Merkmale:
1. Die Papageien leben vorrangig in geschlossenen Räumen;
2. Sie leben im unmittelbaren Lebensumfeld des Pflegers und haben einen häufigeren, oft engeren Kontakt zum Menschen.

 
 Ein Wellensittich ist ein Papagei


Wenn im folgenden von Papageien gesprochen wird, so sind damit alle Vogelarten gemeint, die unter die Ordnung Psittaciformes fallen. Mit anderen Worten: Wellensittiche sind ebenso Papageien wie Amazonen, Nymphensittiche ebenso wie Graupapageien, Singsittiche ebenso wie Aras. Jedoch beziehe ich mich vorrangig auf die von mir gehaltenen Arten. 

 

 Leicht ersichtliche Gemeinsamkeiten sind ein starker gebogener Schnabel:

 
 
                                                Graupapagei
 
 
 
 
 
Singsittich
 
 
Rosenköpfchen
 
 
 
 
Wellensittich
und die Krallen mit zwei nach hinten stehenden Zehen:
 
Graupapagei
 
 
 
 
 
Singsittich
 

Mohrenkopfpapagei
 
 
 
 
 
Rosellasittich


DieÄhnlichkeiten zwischen den einzelnen Arten der Papageienfamilie dürfen aber nicht über die teils feinen, teils aber auch großen Unterschiede hinweg täuschen:
Papageien sind keineswegs ausschließlich die körnerfressenden, in lebenslanger Partnerschaft und in großen Schwärmen lebenden, in Höhlen brütenden, meist bunte und oft sprachbegabte Clowns der Vogelwelt.

Der kleinste Papagei, der Blauscheitel-Spechtpapagei, mißt gerade mal 9,5cm bei einem Gewicht von wenigen Gramm. Der schwerste Papagei, der Kakapo, bringt dagegen 3,5 kg auf die Waage und der Hyazinthara ist knapp einen Meter lang.

Die Loris ernähren sich hauptsächlich mit ihren Pinselzungen von Pollen und Nektar, während andere Arten neben Sämereien, Früchten, Gemüse und anderen Pflanzenteilen mal weniger, mal viel Insekten und Kerbtiere fressen oder wie die Keas auch Fleisch.

Manche Arten sind Nahrungsspezialisten und ernähren sich ausschließlich von bestimmten Pflanzen wie das bspw. Grünköpfchen von Feigen, während andere Arten als Nahrungsgeneralisten wie die Amazonen fast alles probieren.

Die Fledermauspapageien schlafen kopfüber hängend, die Bourkesittiche sind in der Dämmerung rege und die Kakapos sogar nachtaktiv.

Die Mönchssittiche bauen riesige Gemeinschaftsnester aus Zweigen und Ästen, die Agaporniden brüten oft dicht beeinander in Kolonien, manche Arten auch in Termitenbauten. Und während bspw. das Schwarzköpfchen Nistmaterial mit dem Schnabel in die Höhle trägt, klemmt sich das Rosenköpfchen Rindenstücke zwischen die Federn unter den Flügeln. Und wieder andere Arten wie die Graupapageien halten fast gar nichts von Nistmaterial und besetzen ein eigenes Brutrevier, in dem sie keine Artgenossen sehen wollen.

Das Edelpapageienweibchen lebt recht einzelgängerisch und trifft oft nur bei der Paarung auf ein Männchen, andere Weibchen haben einen richtigen Harem. Und das Wellensittichmännchen entpuppt sich oft als ein Meister im Fremdgehen, der manchmal sogar mehrere Weibchen mit ihrem Gelege versorgt.

Manche Amazonenarten drehen richtig auf, wenn sie Zuschauer haben, Graupapageien verstummen oft, wenn Gäste da sind.

Und während einige Papageienarten wie der Wellensittich am Tag über hundert Kilometer zurücklegen kann und wie der Nymphensittich elegante Segelflieger sind, klettern andere Arten lieber oder sind wie der Kakapo sogar flugunfähig.

All die großen und kleinen Unterschiede in Lebensweise und Charakter sind in einem Haltungssystem zu berücksichtigen.

Übrigens ist die Herkunft der Bezeichnung "Papagei" noch weitgehend ungeklärt, wahrscheinlich ist es eine Ableitung aus dem afrikanischen und arabischen. Der Begriff kam dann über den altfranzösischen Kulturraum nach Deutschland. Der Begriff „Sittich“ dagegen leitet sich über das griechische („Psittakos“) und lateinische („Psittacus“) aus dem indischen ab. Er kam wahrscheinlich über die Alpen aus dem italienischen Sprachraum nach Deutschland. Heute wird dieser Begriff vor allen Dingen für die langschwänzigen Papageienarten verwendet. Die Bezeichnung „Großsittich“ ist aus dem Sprachgebrauch der Züchter. Ebenso ist der Begriff „Großpapagei“ keine wissenschaftliche Bezeichnung und nicht eindeutig abgegrenzt.

Zur Systematisierung der Ordnung Psittaciformes gibt es unterschiedliche Vorschläge, von denen die von Wolters und Foreshaw die weiteste Verbreitung im Amateurbereich haben. Beide unterscheiden sich hinsichtlich der Verwandtschaftsverhältnisse von Papageienarten und darin, welche Vögel eigene Arten oder Unterarten bilden. Die Systematik der Ordnung Psittaciformes ist weiterhin in Bewegung, besonders gentechnische Untersuchungsmethoden haben neuere Erkenntnisse gebracht, die über die bloße Verhaltensbeobachtung und Vergleiche der Anatomie hinausgehen.



Gibt es spezielle Themen und Probleme der Wohnungshaltung?   


Zu den Themen, die in einer Außenvolierenhaltung - meist auch noch verbunden mit einer Zuchtabsicht - nicht oder weniger bedeutsam sind, gehören unter anderem:

  • Die besonders enge Tier-Mensch-Beziehung, die sich aus den Erwartungen des Halters und aus dem direkteren und häufigeren Kontakt zum Tier ergibt. Tendentiell beschränken sich Menschen, die ihre Papageien in der Wohnung halten, seltener auf die Rolle des Beobachters und Pflegers.
  • Die oft daraus resultierende Vermenschlichung der Papageien, die zu einer Nichtbeachtung ihrer Bedürfnisse führen kann und langfristig meist auch zu einer Enttäuschung beim Halter.
  • Zähmung und Zahmheit des Papageien als eine Voraussetzung für das Zusammenleben und/oder als Wunsch des Halters, damit ein Papagei seine Bedürfnisse erfüllt.
  • Damit im Zusammenhang steht oft die Einzelhaltung als verbreitete Haltungsform sowie
  • die Handaufzucht als Möglichkeit, einen möglichst zahmen Papageien zu erhalten. Handaufgezogene Papageien sind vor allem in der Wohnungshaltung zu finden,  die Praxis der Handaufzucht hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen – nicht  zuletzt deshalb, um die Nachfrage nach zahmen, für die Wohnungshaltung geeigneten Tieren  zu entsprechen. 
Weitere besonders für die Wohnungshaltung interessante Themen sind
  • Die Möglichkeiten der Erziehung von Papageien.
  • Die Vergesellschaftung eines Vogels mit Vögeln anderer Art.
  • Die Vermeidung der Fortpflanzung und damit im Zusammenhang
  • die gleichgeschlechtliche "Verpaarung"
Probleme, die sich vor allem in der Wohnungshaltung finden, sind:   
  •  Gesundheitliche physische Probleme:
    Bspw. tritt Aspergillose vor allem bei der Haltung in geschlossenen Räumen auf, sehr viel seltener in einer Freivolierenhaltung mit viel Frischluft und mehr Flugmöglichkeiten für die Vögel.
     Ebenso ist Übergewicht und Verfettung mit ihren möglichen Folgeerscheinungen (Schädigungen der inneren Organe) vor allem in der Wohnungshaltung zu  beobachten.
  • Psychische Probleme: 
    Dauerschreien und Autoaggressionen wie Rupfen und Autokannibalismus als  Verhaltensstörungen treffen ebenfalls meist Papageien in Wohnungshaltung, vor allem solche in Käfig- und Einzelhaltung. 

 Nach Partnerverlust stark selbst rupfender Mohrenkopfpapagei

  • Weitere Verhaltensprobleme:
    Verpaarungsprobleme, Aggressionen gegenüber Menschen, Dauerlegen
    sind ebenfalls Probleme zwar nicht ausschließlich der Wohnungshaltung, doch unter ihren speziellen Bedingungen besonders häufig und schwieriger lösbar.
  All diese und weitere Probleme können vielleicht grundsätzlich an dem speziellen Haltungssystem Wohnzimmer/Käfig liegen, weil es für Papageien einfach ungeeignet ist.
Sicher ist meines Erachtens, dass den Bedürfnissen von Papageien in einer Außenvolierenhaltung in vielen Fällen leichter Rechnung zu tragen ist als in der Wohnungshaltung. Hier ist der Aufwand, den ein Halter betreiben muss, nicht selten deutlich größer.
 
 

Leider kommt bei der Wohnungshaltung von Papageien oft noch hinzu, dass bei vielen dieser Halter eine nur geringe und oftmals ungenügende Kenntnis von den Bedürfnissen und Ansprüchen der unterschiedlichen Vertreter dieser Gattung vorausgesetzt werden kann.

 

Jemand, der auf seinem Grundstück eine Außenvolierenanlage errichtet, hat meist entweder das Stadium der Wohnungshaltung bereits hinter sich gelassen (und oft genug als untauglich erkannt) oder aber sich bereits intensiver mit der Thematik der Papageienhaltung auseinandergesetzt.
 

Bei der Wohnungshalterung  jedoch passiert es leicht, dass ein Tier in einer Zoofachhandlung samt Käfig und etwas Futter gekauft wird, ohne dass der Käufer sich vorher selbst ausreichend informiert hat bzw. vom Verkäufer ausreichend informiert wurde.

 
Der Halter kann dabei auch durchaus den Eindruck haben, bereits ausreichend informiert zu sein: denn leider finden sich auch jene erwähnten zahlreichen Sachbücher auf dem Markt, die nicht oder nur sehr unzureichend auf entstehende Probleme hinweisen und damit beim Halter den Eindruck erwecken, er sei mit der Lektüre des Buches gut informiert und eine weitere Information sei gar nicht notwendig.

Die Unkenntnis des Halters wirkt sich natürlich entscheidend auf das Haltungssystem im Wohnzimmer aus, das andernfalls etwas art- und tiergerechter wäre.
Hier kann ich nur den Tipp geben, soviel an Literatur wie möglich zu lesen und es auch nicht bei der Lektüre dieser einen Website zu belassen.

Um aber kein Missverständnis aufkommen zu lassen: das heißt nicht, dass alle Halter von Papageien im Wohnzimmer unzureichende Kenntnisse besitzen - ebenso wenig wie es heißt, das alle Halter und Züchter von Papageien in Freianlagen ausreichende Kenntnisse haben. Lediglich eine gewisse Tendenz läßt sich feststellen, denn die Wohnungshaltung ist meist der Beginn der Papageienhaltung.
Aber das Bild der privaten Papageienhaltung in der Öffentlichkeit wird manchmal von jenen geprägt, die sich nur wenig mit der Thematik beschäftigten, deren Haltung  unzulänglich ist – und möglicherweise sind sie auch noch in der Mehrzahl.

Von daher wird weitergehend sogar die Forderung erhoben, die Haltung von Papageien, zumindest von bestimmten Papageienarten, in Privathand zu verbieten, wenigstens aber einen schärferen Nachweis der Sachkunde zu verlangen (s. z.B. die Grundsätze des  Papageienschutz-Centrum Bremens).

 


Warum Haltungs"system"?


Vom Haltungssystem wird häufig in der Tiergartenbiologie gesprochen.
Der Begriff "System" verdeutlicht sehr gut, dass einzelne Bestandteile der Haltung -  Art des Papageien, sein Charakter und Verhalten, seine Vorgeschichte, Motive und Erwartungen des Menschen, die Käfig-, Volieren- oder Raumgröße, Flugmöglichkeiten, Beschäftigungsmöglichkeiten, Einzel-, Paar-, Schwarmhaltung, Haltung mit artfremden Vögeln,
Ernährung, Art der Fütterung, Kontakt zum Menschen und viele andere mehr - nicht isoliert betrachtet werden können. Es gibt zahlreiche Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen diesen Bestandteilen, die man als Halter beachten muss.

Ein einfaches Beispiel:
Ein zahmer handaufgezogener Großpapagei ist es gewohnt, sich den ganzen Tag frei in der Wohnung zu bewegen und von Zimmer zu Zimmer zu fliegen. Als Futter erhält es das handelsübliche Großpapageienfutter mit Sonnenblumenkernen, die er sich auch vor allen anderen Sämereien rauspickt.
Mit Eintritt der Geschlechtsreife zeigt er sich plötzlich aggressiv gegenüber einem  Familienmitglied.
Als Reaktion wird eine Voliere mit den Maßen 2m x 1m x 2m (LxBxH) angeschafft und der Vogel erhält keinen Freiflug mehr.

Nach kurzer Zeit hat das Tier Übergewicht.
In diesem sehr einfachen Beispiel - das aber leider nicht selten der Realität entspricht - zeigen sich deutlich die Wechselwirkungen zwischen Futterangebot, Verhalten des Vogels, Raumangebot, Verhalten des Menschen und Gesundheit des Vogels.

Die Papageien stehen im Zentrum unseres Haltungssystem oder sollten es zumindest. Aber natürlich ist auch der Halter selbst ein wichtiger Bestandteil des Haltungssystems. Zwar gilt dies auch bei der Außenvolierenhaltung, aber: aufgrund des häufigen unmittelbaren Kontaktes ist es bei der Wohnungshaltung wahrscheinlich noch bedeutsamer, warum ein Mensch Papageien halten möchte, welche Motive dahinter stehen und damit auch, welche Erwartungen er an die Vögel hat, wie sich daraus resultierend die Tier-Mensch-Beziehung gestaltet und wie sich Halter und Vogel verhalten.



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